Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Unsterblichkeit
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 534 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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William James Transmissionstheorie müssen wir zugeben, daß die meisten unserer Bewußtseinsvorgange auf diesem Wege zustande kommen. Der Reiz vom Sinnesorgan her läßt die Gehirnschranke niedriger werden. Meine Stimme und meine Gestalt z. B. wirken auf Ihre Ohren und Augen, dadurch steigert sich die Durchlässigkeit Ihres Gehirns und eine Wahrnehmung — Ihre Wahrnehmung — meiner Stimme und meines Körpers schlüpft in den Teil der Welt, der hinter dem Schleier liegt Aber bei den seltsamen Phänomenen, auf die ich anspiele, ist es kaum möglich zu sehen, welche Rolle hier die Sinnesorgane spielen sollten- Ein Medium z. B. weiß bei einer Sitzung aus dem Privatleben eines Teilnehmers Dinge, die es weder gesehen, noch gehört, noch aus irgendwelchen Mitteilungen erfahren haben kann. Oder Sie haben die Erscheinung eines Menschen, der viele hundert Meilen von Ihnen entfernt im Sterben liegt Vom Standpunkt der Produktionstheorie aus ist es schwer zu 6agen, aus welchen Empfindungen solche seltsame Erkenntnissplitter in unserem Bewußtsein stammen sollen. Nach der Transmissionstheorie sind sie nicht auf diese Weise „produziert" worden — sie existieren fertig in der unser Bewußtsein umfangenden weiteren psychischen Wirklichkeit, und es bedarf nur einer abnormen Herabsetzung der Bewußtseinsschwelle, um sie durchzulassen. In den Fällen der Bekehrung, der „Führung" durch die Vorsehung, plötzlich von der Seele ausgehender Heilung usw. haben die betreffenden Personen selbst das Gefühl, als ob eine äußere Macht, ganz verschieden von den Sinnen und der durch die Sinne beherrschten Seele, in ihr Leben dränge, als ob dieses sich plötzlich einem größeren Leben öffnete, in dem es seine Quellen hat Das Wort „Influx", das in Swedenborgschen Zirkeln gebräuchlich ist, beschreibt gut diesen Eindruck einer neuen Schau, eines neuen Aufnehmens, das wie eine Flut über uns kommt Alle solche Erfahrungen, so paradox und sinnlos sie für die Produktionstheorie sind, finden ihren natürlichen Platz in der anderen Theorie. Wir brauchen nur anzunehmen, daß unser Einzelbewußtsein von einem kosmischen Bewußtsein wie von einem Meer umfaßt ist, von dem aus gelegentliche Einbrüche erfolgen können. Natürlich bleiben die Ursachen dieses plötzlichen Sinkens der Bewußtseinsschwelle noch immer ein Geheimnis. Dazu nehmen Sie den Vorzug — wiewohl ich weiß, daß manche von Ihnen diesen Vorzug nicht besonders hoch einschätzen —, daß hier kein Konflikt mit dem Gedanken eines Lebens nach dem Tode entsteht, und ich hoffe, Sie werden mir zugeben, daß unsere Theorie in einer Reihe von Punkten der sonst üblichen überlegen ist. Es ist eine Theorie, die in den geschichtlichen Wand- 534