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Der Morgen · 1925-12-01 · Heft 5 (Dezember 1925) · p. 533

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 5 (Dezember 1925)
Article
Unsterblichkeit
Date
1925-12-01
Page
533 (sequence 9)
Language
German
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Unsterblichkeit sie sinkt, wie in Zeiten großer geistiger Klarheit, so kommen uns Dinge zum Bewußtsein, die zu anderen Zeiten unbewußt bleiben; wenn sie, etwa im Zustand der Schlaftrunkenheit, sich hebt, so nimmt das Bewußtsein ab. Dieses Steigen und Sinken einer psychophysischen Schwelle entspricht genau unserer Vorstellung eines dauernden Hindernisses für die Durchlassung des Bewußtseins, welches Hindernis, in unserem Gehirn, stärker und schwächer werden kann. Die Transmissionstheorie läßt sich auch mit einer ganzen Reihe von Erfahrungen in Beziehung bringen, die von der Produktionstheorie aus nur schwer erklärbar sind. Ich meine jene dunklen und ungewöhnlichen Phänomene, die aus allen Zeiten der menschlichen Geschichte berichtet werden und für deren Ehrenrettung die „Gesellschaft für psychische Forschung"1), an ihrer Spitze Frederic Myers, so viel getan hat: Phänomene wie religiöse Bekehrungen, Gebetserhörungen, plötzliche Heilungen, Ahnungen, Erscheinungen Sterbender, Visionen, Hellsehen und die ganze Reihe der mecHumistischen Fähigkeiten, von noch sonderbareren und unbegreiflicheren Dingen zu schweigen. Wenn unser menschliches Bewußtsein in seinem vollen Umfang eine Funktion des Gehirns ist, so werden wir natürlich annehmen, daß auch diese Dinge, sofern es sich hier um wirkliche Tatsachen handelt — und für mich sind eine Reihe hierher gehöriger Dinge sicherlich Tatsachen — nicht ohne zugrunde liegende Gehirnvorgänge zustande kommen. Aber die gewöhnliche Produktionstheorie des Bewußtseins ist mit einer besonderen Vorstellung vom Zustandekommen der Gehirnvorgänge verknüpft — sie nimmt an, daß alle Vorgänge im Gehirn, ohne Ausnahme, mittelbar oder unmittelbar durch Reize der äußeren Sinnesorgane auf das Gehirn bedingt sind. Ein solcher Reiz veranlaßt das Gehirn, Empfindungen und Vorstellungen zu produzieren, aus denen sich dann weiter die höheren Formen des Denkens und Wissens aufbauen. Auch als Anhänger der Anmerkung des Herausgebers: 1) Es handelt sich hier um die Society for Psychical Research — in der englischen Abkürzung S.P.R. Sie wurde 1882 von führenden Männern der englischen Wissenschaft gegründet. Sie hat zu einer Zeit, als man in Deutschland nur Hohn und Spott für die in Frage kommenden Phänomene hatte, die Talsachen in rein empirischer Weise gesammelt, gesichtet und geprüft und die Ergebnisse in den zahlreichen Bänden der Proceedings niedergelegt. Zu den Präsidenten dieser Gesellschaft gehörte auch William James, später Henri Bergson. WT. James hat kurz vor seinem Tode seine Stellung zu den Arbeiten der S.P.R. präzisiert in einem Aufsatze: Final Impressions of a Psychical Researcher. (Abgedruckt in „Memories and Studies", London 191 r.) Bei uns hat die ernsthafte wissenschaftliche Erforschung dieser — parapsychischen — Phänomene erst in den letzten Jahren begonnen. Vgl. Driesch: „Parapsychologie und anerkannte Wissenschaft" (Hochland, Oktober iga5). 533

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