Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Unsterblichkeit
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 532 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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William James geht Aber bei der Entstehung von Bewußtsein aus Gehirnvorgängen kommen ganz und gar wesensverschiedene Tatsächlichkeiten in Frage und es ist, soweit unser Verstand reicht, ein genau so großes Wunder, als wenn wir das Bewußtsein für „von selbst entstanden" oder „aus dem Nichts erschaffen" erklären würden. Die Theorie, nach der das Bewußtsein im Gehirn produziert wird, ist daher an sich selbst um kein Jota einfacher oder glaubenswürdiger als irgendeine andere. Sie ist nur etwas volkstümlicher. Wenn daher der Materialist uns auffordert, zu erklären, wieso und in welcher Weise das Gehirn ein Organ sein könne, um das außerhalb seiner selbst entstandene Bewußtsein in einer bestimmten Weise zu begrenzen und zu gestalten, so brauchen wir ihm nur mit der Gegenfrage zu antworten, er möge uns deutlich machen, wie ein solches Organ Bewußtsein zu produzieren vermöge. Bei einer Polemik dieser Art stehen beide Theorien genau gleich. Betrachten wir aber die Theorie der Transmission von einem umfassenderen Gesichtspunkt aus, so sehen wir, daß sie gewisse positive Vorzüge hat, ganz abgesehen von ihrer Verbindung mit der Frage der Unsterblichkeit Wie der Prozeß des „Durchlassens" sich abspielt, können wir uns freilich nicht weiter deutlich machen; aber was sich weiter als Folgerung ergibt, wenn wir einen Vorgang dieser Art voraussetzen, bestärkt uns in unserer Annahme. Das Bewußtsein braucht hier nicht de novo an einer großen Anzahl von Stellen erzeugt zu werden. Es existiert schon hinter der Szene, solange wie die Welt selbst Damit vermeidet die Transmissionstheorie nicht nur die Vervielfältigung des Wunders, sondern sie berührt sich auch mit den Grundgedanken der idealistischen Philosophie, mehr als die Theorie des „Hervorbringens". Und man sollte es immer begrüßen, wenn Wissenschaft und Philosophie zusammentreffen. Sie ist auch mit dem Vorhandensein einer „Bewußtseinsschwelle" gut verträglich — man kennt diesen Begriff, der seit Fechners „Psychophysik" sich in der modernen Psychologie eingebürgert hat Fechner nimmt als Bedingung des Bewußtseins eine gewisse Art psychophysischer Bewegung an. Bevor nun der betreffende Inhalt wirklich ins Bewußtsein eintreten kann, muß die Bewegung einen angemessenen Stärkegrad erreicht haben — er muß eine gewisse „Schwelle" überschreiten, doch ist die Höhe der Schwelle unter verschiedenen Umständen etwas verschieden, sie kann steigen und fallen. Wenn 532