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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 511

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Die Entwicklung des jüdischen Frauentypus seit dem Mittelalter
Date
1925-10-01
Page
511 (sequence 16)
Language
German
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Der Frauentypus der Romantik schieierte Wesen alles seelenvollen Lebens, so weit es auf Erden wahrnehmbar ist, liegt da vor dem Bick, der es zu fassen vermag." Die Romantik geht noch weiter. Friedrich Schlegel betonte, daß die Geschlechtsverschiedenheit nur eine Äußerlichkeit des menschlichen Daseins sei, er bewies, daß die Frau durch Geist und Bildung nicht an Liebenswürdigkeit verliere. In der „Diotima" und der „Lucinde" kämpft er gegen die Knechtschaft der Weiber, gegen die „zahlreichen verunglückten, nur durch die Konvention erhaltenen und für beide Teile erniedrigenden Ehen." Es war natürlich, daß mit dieser neuen Wertschätzung der Frau sich auch das ganze Verhältnis zwischen \ den Geschlechtern änderte. Dem in der reinen' Erotik Befriedigung findenden Manne hatte die Frau genügt, sofern sie den Idealen der Unschuld, Sanftmut, Reinheit, Bescheidenheit, „Artigkeit" entsprach, ihm gesunde Kinder schenkte und das Hauswesen zu regieren verstand. Jetzt wird man wählerischer, differenzierter. Man sucht in der Frau nun die Erlöserin aus dunkeln, rätselhaften Gewalten, die einzigartige Vertraute und Freundin der Seele. Damit wird die Liebe selbst vertieft und vergeistigt Sie wird zur „Begegnung zweier Gestirne, die in geheimnisvoller Weise einander wechselseitig Sonne und Planet sind. Ein Mensch wird dem anderen zum „Symbol für das Nächste, das er zu fühlen und sich vorzustellen fähig ist" Die Liebe wird, um mit Novalis zu reden, angewandte Religion. Nirgends offenbart sich wohl mehr der Unterschied zwischen der Ghettojüdin und der Jüdin der Emanzipationszeit als in ihrer Liebesvorstellung imd ihrer Eheauffassung. Die Ghettojüdin — wir sahen es — war ein Gattungswesen, ein Familienwesen, ohne eigenes Verfügungsrecht über ihre Persönlichkeit gewesen. Der Zweck der Ehe war für sie allein die Erzeugung einer Nachkommenschaft, die Erhaltung der Gattung zu Ehren und zum Ruhme der Gottheit Die Emanzipationsjüdin dagegen löst sich ganz bewußt aus den „Verschmelzungen, Bindungen, Vergewatligungen von Geschichte und Gesellschaft'' Sie fühlt sich als eine „differentielle Existenz", als eine selbständige, nur sich selber verantwortliche, ihren eigenen Gesetzen frei folgende Individualität Sie sei, so hat Rahel sich ausgedrückt, ein Moment des Ganzen, der nur einmal existieren könne, und sie hat deshalb für sich ein besonderes persönliches Schicksal gefordert und einen eigenen persönlichen Tod. Und aas eben dieser Empfindung heraus hat Dorothea für sich entweder ein ganz S\\

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