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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 510

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Die Entwicklung des jüdischen Frauentypus seit dem Mittelalter
Date
1925-10-01
Page
510 (sequence 15)
Language
German
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Sclma Stern jammert ihn in tiefser Seele, „daß ein solches Leben spurlos von der Erde verschwindet und daß sie, weil sie nie einen gefunden, den sie lieben konnte, dazu verdammt ist, nun alle Menschen zu lieben." Und was Dorothea Mendelssohn für Friedrich Schlegel bedeutete, ist schon oben dargelegt worden. Sie gab dem Unsteten Frieden, dem Irrenden die Heimat Sie gab ihm vor allem jenes große Erlebnis der Liebe, das nun das „Grundthema" seines Denkens, die „Grundtendenz" seines Schaffens wurde. Durch Dorothea erlebte er „die Einheit seelischer und sinnlicher Liebe", den „Glauben an die Einheit des Lebens", an die „Unendlichkeit des menschlichen Geistes, die Göttlichkeit aller natürlichen Dinge und die Menschlichkeit der Götter." „Nun, da ich der glücklichste aller Menschen bin", schrieb er selbst jubelnd an seine Schwägerin Caroline, nachdem er Dorothea gewonnen hatte. „Freuen Sie sich, daß mein Leben nun Grund und Boden, Mittelpunkt und Form hat Nun können außerordentliche Dinge geschehen."--- Als Inspiratorinnen, als Vermittlerinnen bisher streng geschiedener Welten, als Auslegerinnen von Dichtern und Künstlern haben diese Frauen damals „zum ersten Male in der modernen Gesellschaft eine Kulturmission erfüllt." Sie gingen noch weiter. Sie haben hier, freilich völlig beeinflußt von den Ideen der Zeit, die moderne geistige Frauenemanzipation vorbereitet Das 18. Jahrhundert, das den Menschen kühn auf sich selber stellte, ihn loslöste aus der engen Gebundenheit der Familie, des Staates, der Tradition, das das Recht auf die freie Auswirkung der eigenen Persönlichkeit proklamierte, hatte schon die ganze Auffassung von der Stellung und dem Werte der Frau geändert Goethe lehrte die „Ehrfurcht vor der Harmonie und Schönheit der Frauenseele." Werther vergeistigt „seine Liebe zu Seelenverwandtschaft", in der Nouvelle Heloise liebt St Preux ebensosehr die geistigen Reize seiner Geliebten als ihren schönen Körper. Die vielen Herzensbündnisse des zärtlichen Jahrhunderts, Wieland und Sophie Laroche, Wilhelm von Humboldt und Charlotte Diede, Schiller und Caroline von Beulwitz, Goethe und Frau von Stein, Hölderlin und Diolima, sprechen für die gleichwertige Stellung, die man der Frau auf seelischem Gebiete zugestand. „In dem rechten Empfinden edler Weiblichkeit", so hat Wilhelm von Humboldt diese Auffassung seines Jahrhunderts formuliert, „liegen das Erkennen alles Schönen in der Menschheit und in der Natur. Ja, das ent- 510

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