Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1925)
- Article
- Gestalten der Spätantike
- Date
- 1925-10-01
- Page
- 492 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Fritz Heinemann grunds, das der Natur die Abhängigkeit von Gott, das Gottes die Hingebang an seine Geschöpfe und die Vereinigung mit ihnen. Nur im Mysterium ist das Letztere ausdrückbar. Aber so innerlich ist hier alles verbunden, daß das Befruchtungsmysterium zugleich Erlösungsmysteritim ist Nachdem so wenigstens die Umrisse der Gesamtgestalt Philons gezeichnet sind, ist es leicht, den in ihr zum Ausbruch kommenden Gestaltwechsel sichtbar zu machen. Man werfe nicht ein, wir verführen unhistorisch. Wir müßten Philon auflösen in seine Elemente und diese zurückverfolgen in die vorausgehenden Stadien historischer Entwicklung. Nichts wäre falscher als das. Das war eine mechanistische Auffassung der historischen Welt, die mit Hilfe des Ejitwicklungsbegriffes alle Probleme der Geschichte glaubte auflösen zu können. Sie hat auch an Philon gearbeitet und seinen Logosbegriff oder den Begriff des Pneuma Hagion, des „Heiligen Geistes", aus der griechischen Philosophie oder Mystik herleiten wollen. Man vergaß dabei, daß die Identität des Wortleibes noch nicht eine Identität des Wortsinnes einschließt und daß es zunächst darauf ankommt, dessen spezifischen Gehalt festzulegen. Daß ein griechisch schreibender Schriftsteller mit griechischen Begriffen arbeitet, ist nicht zu verwundern. Wie er sie umprägt, das ist das Merkwürdige. Nun aber wäre es falsch, jede Entwicklung im Historischen zu leugnen, nein, es gibt eine Mannigfaltigkeit von Bewegungsformen des historischen Lebens. Eine dieser Formen ist die Entwicklung, die Entfaltung eines Komplizierteren aus einem Einfachen, die Umänderung einer zu Grunde liegenden Substanz, die sehr wohl auch zu einer Rückentwicklung führen kann. Etwas anderes ist der Gestaltwechsel: die Metamorphose. Während bei der Entwicklung ein und dieselbe Grundgestalt sich aus einem Keim, in dem sie irgendwie präfonniert ist, entfaltet und nach Erreichung ihrer Blüte in ihrer Kraft und ihrem Wachstum sich zurückbildet, ist die Metamorphose eine Wandlung mit Substanz- und Gestaltwechsel. Immer dort, wo ein völliger Gestaltwechsel vorliegt, sprechen wir von einer neuen Epoche. Daß das nun hier der Fall ist, läßt sich sowohl von der jüdischen, wie von der griechischen Religion und endlich auch von der griechischen Philosophie aus zeigen. Trotz Vorbereitung des Philonismus im spät jüdischen Schrifttum muß man sagen, daß im Philonismus das Judentum völlig außerhalb seiner ist In Philon wird das Judentum zu einer hellenistischen Mysterienreligion, trotz seines Kampfes gegen die Geheimnis- 492