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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 491

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Gestalten der Spätantike
Date
1925-10-01
Page
491 (sequence 12)
Language
German
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Philo Wie der Mensch, seinen Sinn außerhalb seiner in Gott hat, so auch das Universum. Wie aber kann in dieser ekstatischen Welt ein Zusammenhang hergestellt werden, wie führt eine Brücke von Gott, von dem es doch heißt, daß ihm kein Name im eigentlichen Sinne beigelegt werden kann, daß ein jeder Name von ihm nur im uneigentlichen Sinne zu verstehen ist, dem nichts ähnlich ist, der besser als das Wissen und besser als das absolat Gute und absolut Schöne ist, vom Sein, das völlig von sich erfüllt und sich selbst genug ist, zur Welt? Kräfte, so lautet die erste Antwort, schickte er in die Welt und zwar die herrschende und die wohltuende und die schaffende Kraft, die Gott genannt werde. Die Bezeichnung der Attribute wechselt, aber wesentlich ist die Bezeichnung Gottes als des ewig schaffenden. Nicht eine einmalige Schöpfung also ist es, sondern eine immerwährende. Da Philon dieses Schaffen Gottes nun näher erklären soll, greift er zum Mythos. Und das ist für uns besonders interessant, daß wir an dieser Stelle einen Einblick bekommen in jüdische Geheimlehren. Es gab zwei Hauptteile dieser Geheimlehre, die Maasse Merkaba und die Maasse Bereschit; die erste knüpfte an die Vision Ezechiels an, die zweite an die Schöpfungserzählung. Der Talmud weiß nur von jüdischen Weisen in Palästina und Babel, die sich mit äußerster Vorsicht mit diesen Lehren beschäftigten. Die Vision Ezechiels durfte niemand vor dem 3o. Jahre lesen, mündliche Auslegungen jenes Themas vertraute man nur den erlesensten Schülern und nie in Gegenwart mehrerer an; vor der Menge durfte sie nicht besprochen werden. Bücher wurden darüber nicht verfaßt Philon nun verkündet ein Schöpfungsmysterium, das meiner Ansicht nach mit dem Kreise der Therapeuten zusammenhängt Dieses Mysterium nimmt verschiedene und immer sonderbarere Formen an: Gott wird die säende oder befruchtende Kraft Er senkt seinen Samen in die jungfräuliche Erde, er befruchtet auch die als Jungfrauen erscheinenden Stammesmütter, die die Tugenden repräsentieren. Ein merkwürdiges Gemisch von Vorstellungen, in denen auch die der jungfräulichen Empfängnis enthalten ist (Es ist leider hier kein Raum, darauf näher einzugehen). So schließt sich das philonische Weltbild, das wir hier nur in seinen Grundzügen skizzieren konnten; der Mensch sowohl wie die Natur, wie Gott im Zustand des Außersichseins, und alle drei zerspalten. Das Außersichsein des Menschen seine höchste Seligkeit, das ekstatische Erfassen seines Ur- 49t 31

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