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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 490

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Gestalten der Spätantike
Date
1925-10-01
Page
490 (sequence 11)
Language
German
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Fritz Heinemann hallung des Monotheismus entslammenden Verbote sind hier ins Metaphysische umgeschlagen; wohl ein Erleben, nicht aber Fassen und Erkennen des Göttlichen ist möglich. Ein amor dei ist vorhanden, nicht aber ein amor dei intelleciualis. Daß Philon diesen seinen Gott, der das transcendente Centrum seines Wesens ist, zugleich zum Schöpfer seiner Welt macht, ist das wesentlich Neue, das er dem griechischen Kulturkreis brachte. Auch Piaton kennt eine Flucht vom Sinnenreiche in die Welt der Ideen, auch er schreitet über diese noch fort zu einem Höchsten, der Idee des Guten, die über allem anderen, es an Kraft und Würde überragend, steht Erst Philon aber hat die Umkehr vollzogen, die dem jüdischen Denken eigentümlich ist, dieses höchste Wesen zum Schöpfer des Universums zu machen. So entsprechen sich der doppelt introvertierte Mensch und sein doppelt introvertierter Kosmos, oder einfacher .gesagt, die Struktur'des ekstatischen Menschen und die Struktur der ekstatischen Welt. Denn diese Welt ist wirklich eine ekstatische. Nicht nur, daß ihr eigentliches Zentrum außerhalb ihrer liegt, daß sie sich wie ein Kegel in immer enger werdenden Ringen auftürmt Nein, das vollkommenste Wesen ist zugleich das Wesen mit der größten Seinsfülle, und die weitere Entfernung von Gott ist nicht nur eine Abnahme an Vollkommenheit, sondern auch an Sein. Dieses Außersichselbstsein der Natur prägt sich darin aus, daß sie der jüngere, sinnlich wahrnehmbare Sohn Gottes wird, die größte und vollkommenste Herde des wahrhaften Gottes; in ihr herrscht nicht die Ananke der Griechen oder der demokritischen Atomistik, sondern der ganze Kosmos ruft aus: „Der Herr weidet mich, mir wird nichts mangeln,", gleich wie das plotinische All gesteht: „Alles in mir strebt zum Guten." Es offenbart sich aber zugleich darin, daß die Naturerscheinungen, wie die heilige Schrift, in doppelter Sprache geschrieben sind; in einer natürlichen und einer symbolischen. So sind die Gestirne nicht bloß zum Leuchten, sondern auch als Zeichen zukünftiger Ereignisse erschaffen. — In der Stoa war die Natur Gott Dann wurde sie ein Tempel Gottes, hier wird sie Schöpfung Gottes und als das Andere Gottes zerspalten in eine sichtbare und eine unsichtbare Welt, und die sichtbare erfährt wiederum eine Doppeltheit der Deutung. Die Spaltung des Menschen überträgt sich auf seine Welt 490

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