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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 487

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Gestalten der Spätantike
Date
1925-10-01
Page
487 (sequence 8)
Language
German
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Philo Musik der Sphären. Wir können das umso eher, als das alles nur Hüllen sind, die zu Irrtümern verleiten, wenn man sie für mehr als bloße Hüllen nimmt. Ich glaube, daß man dann das innerste Wesen dieses Mannes in jenem merkwürdigen Ausdruck einer nüchternen Trunkenheit fassen kann. Was aber bedeutet dieses sonderbare Wort? Man muß, um es zu verstehen, sich einer Stelle aus De Plantatione erinnern, die meines Wissens bislang nicht zur Charakteristik Philons herangezogen, vielmehr der Unechterklärung verfallen ist. Da heißt es, daß die Weisheit nicht finster und düster ist, voll ernster Sorge und Bedenklichkeit, sondern im Gegenteil heiter und freundlich, voll Fröhlichkeit und Freudigkeit und daß daher der Weise sich auch dem Rausch hingeben dürfe, der auf das Gemüt mildernd wirkt und ihm zur Freiheit und Förderung verhilft. Wie anders ist dies Bild, als das des asketischen Philon, des Vorchristen, das man früher entwarf. Ein lachender, ein sich berauschender Philosoph! Und wie charakteristisch auch jene Worte, daß das göttliche Scherzen der Seele kein gewöhnliches Auge sehen dürfe. Nun begreifen wir: Philons Grunderlebnis ist das ekstatische Erlebnis eines genießenden Menschen, der im Außersichsein seine Harmonie erlebt, der durch die Verlagerung seine Befriedigung erlangt. Und was später die eigentliche Gnosis ist, das ist hier ein Erfüllt- und Besessensein, eine Trunkenheit; zum wirklichen Schauen kommt es nicht wegen des Vorherrschens des Affektiven oder sagen wir allgemeiner des Irrationalen. Der Ekslatiker Philon ist im Grunde kein Mystiker und auch nicht Asket im Sinne der Christen. Wohl heißt es, man müsse den Körper rein erhalten, keine Leidenschaften an ihm haften lassen und von allem, was zar sterblichen Natur gehört, von Speise und Trank und von dem Verkehr mit Weibern sich freihalten, aber das ist nichts specifisch Philonisches, sondern findet sich auch bei den Therapeuten und ist in den griechischen Mysterien vorbereitet Diese Askese ist nicht fundiert in einer Erkenntnis der Sündhaftigkeit des Menschen (die Seele eines unmündigen Kindes hat weder am Guten, noch am Bösen Anteil), sondern in der Erkenntnis der Nichtigkeit ■ ovösvsia) des Gewordenen. Der Mensch ist nichts und die Dinge, auf die er gewöhnlich sein Handeln richtet, sind nichts, weil für den Ekstatiker der jenseitige Gott alles, weil er der Träger aller Handlung ist, selbst dann, wenn die Geschöpfe zu handeln vermeinen. Sie glauben etwas zu besitzen, 487

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