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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 486

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Gestalten der Spätantike
Date
1925-10-01
Page
486 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Fritz Heinemann zwiefach Verankerlen in den Kulturraum der Spätantike emaniert, eine überragende Bedeutung für diese Zeit erlangt — Von dieser Grundstruktur hängt nun alles Andere wesensmäßig ab. Ihr entspricht der Aufriß des philonischen Weltschemas, das ich an anderem Ort1) das alexandrinische genannt habe, die Auffassung der Welt als hervorgegangen aus einem jenseitigen Quell, als ein Stufenkosmos, bestehend aus Schichten, die sich von Gott entfernen, sodaß die Seele, die erlöst werden will, die Umkehr vollziehen und schrittweise dieselbe Stufenreihe wieder durchlaufen muß. Ihr entspricht das Erleben des Menschen, seine Ausweitung, sein Hineinwachsen in neue Regionen, seine Seinsvermehrung, seine Lebenssteigerung. Hören wir, wie Philon selbst diese Hinausrückung der Grenzen des Menschen im Erlebnis beschreibt „Und dann erhebt sich der menschliche Geist im Fluge und betrachtet die Luft und ihre Veränderung und schwingt sich immer höher hinauf zum Äther und in die Himmelskreise und dreht sich mit den Reigentänzen der Planeten und Fixsterne nach den Gesetzen der vollkommenen Musik; indem er der Liebe zur Weisheit als Führerin folgt, schreitet er über die ganze sinnlich wahrnehmbare Welt hinaus und strebt nach der rein geistigen; und wenn er hier die Urbilder und die Ideen der sinnlich wahrnehmbaren Dinge, die er dort gesehen, in ihrer außerordentlichen Schönheit betrachtet, ist er von einer nüchternen Trunkenheit (M^tf vriq>a'}.U[)') erfüllt und gerät in Verzückung wie die korybantisch Begeisterten; und erfüllt von anderer Sehnsucht und besserem Verlangen wird er durch dieses bis zum höchsten Gipfel des rein Geistigen emporgetragen und glaubt, bis zum Großkönig selbst zu gelangen. Wenn er nun begierig ist zu schauen, so ergießen sich über ihn stromweise reine und ungetrübte Strahlen vollen Lichtes, sodaß durch ihren Glanz das geistige Auge geblendet ist" Fraglos ein überaus komplexes Erlebnis. Wir scheiden zunächst alles aus, was an rein historischem Wissen diesem Erleben zu Grunde liegt: die platonische Scheidung einer sichtbaren und unsichtbaren Welt, das Aristotelische Weltbild, das naturnäher eine irdische und eine himmlische Welt voneinander trennt, die sich in Stufen übereinander schichten, die Astraltheologie, die glaubt, daß die sich emporschwingende Seele sich in seligem Reigen mit den Gestirngötiern vereinigen kann, die pythagoreischen Mythen der x) Plotin. Leipzig 1921. 486

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