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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 483

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Gestalten der Spätantike
Date
1925-10-01
Page
483 (sequence 4)
Language
German
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Philo selbsi: die ihm heilige Tradition, vermag nicht mehr in den Dingen selbst zu leben, sie in ihrem schlichten Gegebensein zu erfassen; sie erhalten ihren Wert durch ein anderes, durch ein hinter und außer ihnen Liegendes, sind nur noch Zeichen für, Symbol von etwas. Wenn die Schöpfung Moses ein Ausdruck der Platonischen Wellbildung, wenn Israel der Sehende, Abel die Frömmigkeit wird, so sind das Zeichen einer Auflösung der schollenhaft gebundenen, aus einem individuellen Raum entsproßten Substanz und des Versuches, sie durch eine fremde zu ersetzen. Der alexandrinische Mensch glaubt ein Tieferes, Abgründigeres zu packen. Daß er die ursprüngliche Gestalt damit auflöst, ja, daß er ihre Naivität, ihre Größe, ihre Wesentlichkeit vernichtet, das merkt er nicht, weil das Andere für ihn das eigentliche Wesen ist. Die Offenbarung wird freilich nicht ersetzt durch die Vernunft, aber die Reflexion grübelt an ihr, bis sie eine „neue" Offenbarung, eine neue Schau eingetauscht hat. — Um drei Pole, Bibel, Mensch, Welt kreist das religiöse Denken Philons. Der Wort- und Sinnspaltung der heiligen Schrift entspricht in der Auffassung der Welt der platonische Rückgang auf die hinter der sichtbaren Erscheinung als ihr Grund und Träger liegende neue, eigentlich seiende Welt der Ideen, Aber selbst diese Spaltung ist bei Philon originär umgewandelt Die platonischen Ideen sind vom Menschen aus erschaut, als Urbilder des Seins, als Grundstrukturen der in Gattungen geordneten Mannigfaltigkeit der Welt, sofern sie in Grundgestalten erschaubar und faßbar sind. In ihnen soll die Grundstruktur der Welt, ihre Wesenszusammenhänge erblickt werden, sie sind deshalb dem wechselnden Geschehen gegenüber das Wandellose, immer Seiende, ewig Gültige. Sie haben daher eine begrifflich faßbare Seite, aber ursprünglich erschaut werden sie als die Urbilder des Seins, als die göttlich unter Göttern wandelnden Gestalten. Diesen gestalthaften Charakter, welcher der typischen Gültigkeit, die eine griechische Statue beansprucht, entspricht, bewahren die philonischen Ideen nur in der mythischen Geheimlehre, da werden die Urbilder des ethischen Verhaltens, die Tugenden, die auch bei Piaton Ideen sind (seltsamer Gestaltwechsel!) zu den jungfräulichen Stammesmüttern, sonst aber verlieren sie ihren Gestaltsinn. Denn Philon sieht seine Ideen von Gott aus: Gott schaut die Ideen in die Welt hinein, oder besser: er denkt sie hinein; denn sie sind die Gedanken Gottes, die Kräfte, die Goit in die Welt hineinschickt Symbolisch werden sie als Engel bezeichne! oder vielmehr sie sind die symbolische Ausdeutung dessen, was in 483

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