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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 475

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-10-01
Page
475 (sequence 13)
Language
German
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Völkertafel Menschheit, soll gesagt werden, stammt von Brüdern, Söhnen Eines Mannes, des frommen Noah, ab. Alle Völker, Rassen, Sprachen, Farben, Begabungen, Geistesrichtungen werden nebeneinander gestellt, und ohne Worte 2a machen wird gepredigt: sie alle sind aus Einer Heimat, aus Einem Vatei;- hause ausgegangen und haben sich dann über die ganze Erde verstreut Die Größe dieser Anschauung und der ungeheure kaum faßbare Fortschritt, den sie darstellt, wird nicht dadurch gemindert, daß sie heutzutage, wenigstens als Bekenntnis der Lippen, einer der gewöhnlichsten Gemeinplätze ist Dem gesamten Heidentum waren immer nur die Angehörigen des eigenen Stammes und Volkes Verwandte und Brüder. ■ Erst einigen Zeitgenossen des Sokrafes und der Philosophie der Stoiker nach Alexander d. Gr., dessen Weltreich die Völker einander näher brachte, kam die Ahnung, daß alle Menschen der Natur nach verwandt seien. Aber die wahre Begründung, wie sie uns die Bibel gibt, vermochten sie nicht aufzubringen: daß sie Brüder sind, weil sie Einen Schöpfer und Vater haben. Jenes Heidentum ist noch keineswegs erloschen, es lebt nicht nur in den politischen Beziehungen der Völker, fort, sondern hat sich eine neue Begründung in der modernen Rassentheorie geschaffen, in der Lehre, daß die mannigfachen Rassen von Urbeginn geschieden sind und geschieden bleiben müssen, daß jedes Streben nach Verbrüderung vergeblich, wenn nicht verderblich und zu hintertreiben ist Aber alle Völkerkunde und Menschenforschung, aller Fortschritt der Gesittung führt schließlich zur Anschauung der Bibel zurück, zu einem gemeinschaftlichen Ausgangs- und Endpunkt, zu dem in Herkunft, Idee und Beruf einheitlichen Menschtum. Es gibt nur solche trennenden Gegensätze zwischen Völkern, die sie durch ihr Verhalten selbst schaffen. Leiblich sind alle verwandt Aber es gibt freilich noch eine höhere Verwandtschaft, die sie erst erzeugen, die Verbrüderung der Seelen. Solche Seelenverwandtschaft besteht nach der Schrift zwischen Sem und Japhet, d. i. den semitischen Völkern, zu denen auch Israel gehört, und den, wie man sie heute nennt, indogermanischen, im gemeinschaftlichen Gegensalz zu Ham, dem Vater Ägyptens und Kanaans. Was sie eint, ist eine höhere Sittlichkeit, die einer gemeinsamen religiösen Grundlage entspringt, Ehrfurcht und Pietät gegen den Vater und Schamhaftigkeit gegenüber der frechen Schamlosigkeit eines Ham. So haben einst Sem und Japhet die Blöße des trunkenen Vaters bedeckt, an der ein Ham sich weidete. Dafür segnet Noah die beiden in einem prophetischen Spruch, nach dem Sem und Japhet berufen 475 30

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