Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 472

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-10-01
Page
472 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2895450-2895451-2895456-2896254--00555-2896363
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

B. Jacob Naturgesetzes entreißt, und der trostvollen Geborgenheit in Gott inmitten des Aufruhrs der Elemente: „Eine feste Burg ist unser Gott, eine Hilfe in Nöten gar bewährt. Darum fürchten wir nicht, wenn die Erde sich wandelt, wenn Berge wanken inmitten von Meeren, wenn ihre Wasser tosen und schäumen." Und im Grunde ist Noah in der Arche dasselbe Bild wie Noah vor der Flut, wo er in einem Ozean der Schlechtigkeit und Sünde die einzige Insel der Tugend und Gottesfurcht bildete. Sein Schicksal ist nur ein Spiegel seiner Würdigkeit Auch die Gnade ist nur eine Form der Gerechtigkeit. Alle diese Ideen kommen aber nur dann zu entschiedenem Ausdruck, wenn die ganze Menschheit untergeht und Einer gerettet wird. Das geschichtliche Gewand, in das die Bibel sie kleidet, ist so leicht und durchscheinend, daß es ihr offenbar selbst nicht buchstäblicher Ernst damit ist Aber es geschieht noch mehr. Als Noah die Arche wieder verlassen und ein Ganzopfer dargebracht hat, schließt Gott einen Bund mit ihm und allen mit ihm geretteten Lebewesen für alle künftigen Geschlechter, daß er nie wieder eine Sintflut über die Erde bringen wolle. Dies ist der Höhepunkö der Erzählung und ihr wichtigster Gedanke. Das Opfer Noahs ist nicht, wie man es gewöhnlich auffaßt, ein Dankopfer für die Rettung. Für eine von Gott gegebene Verheißung ist nicht erst zu danken, wenn sie erfüllt ist, sondern wenn sie gegeben wurde. Daß sie erfüllt wird, ist selbstverständlich. Sondern das Ganzopfer Noahs ist Ausdruck der vollkommenen Hingebung an Gott und damit zugleich sowohl eine Sühne für die Vergangenheit als auch eine Besänftigung des Gotteszornes schon im Voraus. Es ist die Selbstweihe der neuen Menschheit, die in diesem Urvater jeder elohimischen Überhebung absagt und sich dem Ewigen völlig unterwirft Erst damit ist die Menschheit gerettet und die Schöpfung eigentlich vollendet Der Mensch ist ihr Mitschöpfer geworden. Nicht bloß von einem Adam soll die Menschheit abstammen, sondern von einem Noah, einem in selbsterworbener Frömmigkeit inmitten seines Zeitalters vollkommenen Gerechten, der eine Katastrophe überstanden hat und opfert Der natürliche Mensch ist sein Vorfahr und seine Vorbedingung, von Gott mit allen Fähigkeiten zum Guten ausgestattet, aber ohne einen Noah, ohne eigene sittliche Arbeit, würden Hochmut und Bosheit das Ende sein. Und das Opfer ist die Krone der Frömmigkeit Es sühnt, es ruft der Gnade und sie antwortet mit einem Gottesbund- Noah, der vollkommene Gerechte, der aus der allgemeinen Verdammnis ausgenommen wird und durch sein Opfer Gottes Gnadenbeschluß, 472

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.