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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 471

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-10-01
Page
471 (sequence 9)
Language
German
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Sintflut Elemente, kein Zusammenbruch, keine Vernichtung und Zerstörung, sondern langsam steigen und steigen die Wasser, bis auch die höchsten Gipfel darunter liegen und die Erde ganz eingetaucht ist Damit erledigen sich alle naturwissenschaftlichen, geographischen und geologischen Fragen als vor der Absicht, der Erzählung gegenstandslos, und muß auch die Einschränkung der Flut auf nur einen Teil der Erde abgelehnt werden- Sie verlöre damit ihren religiösen Sinn. Darum muß auch die Flut ein volles Jahr dauern, ein Zug, der sich in keiner Flutsage findet Wie es am Ende heißt: von jetzt ab sollen Saat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter nicht aufhören, so sollte die Erde einmal für die Zeit dieser Wechsel, sozusagen einen Erden- Tag, brachliegen und bis zur Erneuerung feiern. Ebenso verbietet die andere Seite des religiös-moralischen Gedankens der Erzählung eine Beschränkung auf nur einen Teil der Menschheit Diese ist unheilbar dem sittlichen Verderben verfallen, also soll sie vernichtet werden — mit Ausnahme Eines Hauses, des frommen und gerechten Noah. So tief sie verderben kann, so wird sie es doch nicht gänzlich und ausnahmslos, und bliebe auch nur Ein Gerechter, der zum Setzling einer neuen Menschheitspflanzung werden kann. Sonst würde Gott seine eigene Schöpfung verleugnen. Das ist die prophetische Lehre von dem Rest, der sich bekehrt und gerettet wird, von dem heiligen Samen, der Glaube an einen unzerstörbaren guten Kern, an die schützende und rettende Macht des Tugendhaften. Also ist das göttliche Gericht niemals bloß Gerechtigkeit in Strafe und Vernichtung, sondern stets auch in Liebe und Gnade, ein Triumph der durch Impulse der Liebe bestimmten göttlichen Freiheit und Macht Die Naturgesetze, die Vollstrecker des Gerichtes, würden von sich aus keine Ausnahme und Verschonung kennen. Aber sie haben einen Herrn, der sie in den Dienst seiner Gnade nimmt und ihnen gebietet, vor dem Schützling Halt zu machen. Und da die Geschichte der Sintflut eine sinnbildliche Darstellung dieser Lehre sein soll, zum Wesen des Symbols aber die Sparsamkeit des darstellenden Mittels gehört, so ist es nur Ein Haus, das gerettet wird. Dieselbe Sparsamkeit waltet in der Mitnahme von je Einem Paar der Tiergattungen, soweit nicht für das spätere Opfer mehr nötig waren. Die Schöpfung war endgültig, es wird nie eine abermalige neue erfolgen. Denn alles was Gott geschaffen hatte, war sehr gut, d. h. es konnte nichts Besseres geschaffen werden. So ist die auf den Wassern schwimmende Arche mit ihren Insassen ein Sinnbild der rettenden Vorsehung, die den Menschen dem zermalmenden Getriebe des 471

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