Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 469

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-10-01
Page
469 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2895450-2895451-2895456-2896254--00552-2896360
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sintflut ein Schiff zu bauen und darin Tiere aller Art mitzunehmen. Wenn die Leute ihn fragen, so möge er antworten, er wolle über den Ozean zu seinem Herrn fahren, und ihnen vorreden, daß, wenn ein starker Regen käme, dies für sie Segen und Überfluß bedeute. Ut-Napischtim tut also. Nachdem das Schiff gebaut ist, lädt er alles hinein, was er an Gold und Silber besitzt* ferner Tiere aller Art und seine ganze Familie samt Handwerkern und einem kundigen Steuermann. Alsbald bricht ein fürchterliches Unwetter los. Die Wasser steigen über die Berge. Die Menschen kommen sämtlich um. Selbst die Götter bekommen Angst vor der Sintflut, sie entweichen bis in den höchsten Himmel, wo sie sich „wie Hunde an der Wand ducken". Ischtar selbst, die Menschenmutter, die dem Beschluß nicht widersprochen hatte, schreit und wehklagt voll Reue, die Götter sitzen weinend mit ihr zusammen. Nach sieben Tagen beruhigen sich Meer und Sturm. Ut-Napischtim öffnet eine Luke und beschaut, unter Tränen niedersinkend, die angerichtete Zerstörung alles Lebens. Inzwischen sitzt das Schiff auf einem Berge fest Am siebenten Tage läßt Ut-N. eine Taube hinaus, aber da sie keine Ruhestätte fand, kehrte sie zurück. Da läßt er eine Schwalbe hinaus, aber auch sie kenrt zurück^ Endlich läßt er einen Raben hinaus, und dieser kehrt nicht zurück. Da läßt Ut-N. alle Tiere nach den vier Windrichtungen hinaus und bringt ein Opfer dar. Als die Götter den lieblichen Duft rochen, sammelten sie sich „wie Fliegen" darum. Aber der Gott, der die Flut entfesselt hatte, wird zur Strafe nicht zu dem Opferschmaus zugelassen, sondern vielmehr für sein unüberlegtes Handeln tüchtig ausgescholten. Danach wird Ut-Napischtim mit seinem Weibe in die Gemeinschaft der unsterblichen Götter aufgenommen und erhält seinen Wohnsitz an der fernen Mündung der Ströme. Also hier wie in der biblischen Geschichte eine große Flut, die alles Leben vernichtet — hier wie dort ein Mann, der mit seiner Familie in einer Arche gerettet wird — beidemale die Mitnahme von Tieren aller Art — das Aufsitzen auf einem Berge — die Entsendung der Vögel — das Opfer der Geretteten und ihre Segnung. Es ist daher die beinahe einmütige Ansicht der Bibelkritik, daß der biblische Sintflutbericht aus dem babylonischen, stamme. Es läßt sich aber mit mancherlei Gründen dartun, daß in der biblischen Erzählung die treuere Überlieferung eines altsemitischen Gutes vorliegt und die babylonische, die sich einmal selbst als Entlehnung verrät, manche Züge gar nicht mehr verstanden hat Doch wie dem auch sei — die Vergleichung darf uns willkommen sein, um den Geist der biblischen erst recht 469

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.