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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 468

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-10-01
Page
468 (sequence 6)
Language
German
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ß. Jacob Bibel erzählt in diesen Kapiteln (6—9), wie Gott über die durch das Treiben der Übermenschen verderbte Erde ein allgemeines Gericht herbeiführt, wobei alles Leben in einer S i n t fiut d. i. einer großen Flut umkommt, und nur der fromme Noah, der sich auf Gottes Geheiß mit den Seinigen und mit Paaren von allem Getier in einer Arche geborgen hat, gerettet wird. Die Flut überr steigt selbst die höchsten Berge und dauert ein volles Jahr. Es ist unmöglich, diese Erzählung für buchstäbliche Geschichte zu nehmen. Eine solche Überflutung der ganzen Erde in solcher Höhe und von solcher Dauer ist auf keine Weise mit den Naturgesetzen, wie wir sie kennen, zu vereinbaren, ja nicht einmal vorstellbar. Die Sammlung aller Tierarten durch Noah ist praktisch nicht denkbar, die gleichzeitige Vernichtung aller Lebewesen und hiernach die neue Verbreitung von Tieren, Menschen und Völkern über die ganze Erde in dem verhältnismäßig kurzen Zeitraum von wenigen Jahrhunderten nicht glaublich. Versuche, die Flut auf einen Teil der Erde einzuschränken, scheitern an den bestimmten Aussagen der Schrift Demnach hat man sie in das Reich der Sage verwiesen. Sie sei eine der zahlreichen „Flutsagen", die vielleicht irgendwie auf wirkliche geschichtliche Ereignisse zurückgehen mögen. Man hat nämlich bei sehr vielen Völkern, bis zu den Stämmen Nord- und Südamerikas, Australiens und des indischen Archipels, Erzählungen von einer großen, die ganze Erde oder einen Teil von ihr überschwemmenden Flut, die in der Urzeit stattgefunden haben soll, angetroffen. Sie seien wohl dunkle Erinnerungen an ein und dasselbe Ereignis einer Urzeit und vielleicht Nachklänge der biblischen Sage, sodaß in ihr immerhin ein geschichtlicher Kern anzunehmen sei Aber andererseits ist die Verbreitung doch nicht allgemein genug, und die meisten dieser Sagen finden sich bei primitiven Völkern, die nicht einmal über eine sichere Erinnerung von hundert, viel weniger von tausenden von Jahren gebieten. Aus dem klassischen Altertum bekannt ist die Sage von Deukalion, der gleichfalls in einem Kasten mit seinem Weibe Pyrrha aus einer Flut gerettet wird und ein neues Menschengeschlecht hervorbringt Schimmert schon in dieser Sage eine gewisse Ähnlichkeit mit der biblischen Erzählung hindurch, so ist eine solche unverkennbar bei der babylonischen. Sie ist aus sehr alter Zeit erhalten und bildet den Inhalt einer der Tafeln, auf denen das sogenannte Gilgamesch-Epos verzeichnet ist Sie erzählt: Einst trieb die Götter ihr Sinn, eine Sintflut zu machen. Aber einer von ihnen, Ea, der Herr der Weisheit, verriet den Plan seinem Liebling Ut-Napischtim. Er befiehlt ihm, 468

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