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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 467

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-10-01
Page
467 (sequence 5)
Language
German
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Übermenschen Das Wort ist übrigens nicht erst von Nietzsche geprägt worden, es findet sich schon bei Goethe und ist nichts anderes als die Übersetzung des entsprechenden griechischen Wortes. Ein meisterhaftes Bild dieses Übermenschen, für den die gewöhnliche Moral, diese Erfindung der Schwachen, nicht maßgebend ist, der nur das eigene Recht, das Recht des Stärkeren, anerkennt, hat bereits der griechische Philosoph Plato gezeichnet Womit sie stets begonnen haben, das ist die „Emanzipation des Fleisches". Der große Mann ist nicht nach dem Maßstab der kleinen Leute zu messen und zu würdigen, oder sagen wir besser: ihm kann vieles nachgesehen werden für die Verdienste, die er in die andere Wagschale zu werfen hat Es gibt keine Größe ohne Schwächen. Aber sie darf ihre Schwächen nicht als ein Recht anerkannt wissen wollen. Sünde bleibt Sünde und Unrecht Unrecht Niemand steht jenseits von Gut und Böse. Im Übermenschen liegen zwei soziale Gefahren: es sind nicht blos die genialen und wohltätigen Anlagen, die sich in dämonischem Übermaß auszuwirken trachten, sondern noch weit öfter die verderbenden und zerstörenden. So wird er zum Tyrannen, zur Geißel der Menschheit, der Übermensch zum Unmenschen. Und sodann: der Übermensch macht sich aus eigener Entscheidung dazu. Dann wird jeder, der keinen Zügel verträgt, ein Übermensch sein wollen. Je „großzügiger" der Verbrecher, um so weniger wird er der Entschuldigung bedürfen. Auch Kain war ein Übermensch. Die Predigt der Freiheit vom Gesetz und des Rechtes „sich auszuleben" d. h. des Rechtes zu einem ungehemmten Triebleben ist so verführerisch, daß diese Konfession stets die meisten Bekenner haben wird. Das Ende ist die allgemeine Verderbnis, die Gott nicht mehr länger mitansehen kann. „Es war aber die Erde verderbt vor Gott und die Erde war voll von Gewalttat Und Gott sah die Erde und siehe sie war ver*- derbt, denn verderbt hatte alles Fleisch seinen Wandel auf der Erde". Wir sehen, wie die Schrift den Ausdruck häuft, um die ganze Verderbtheit zu malen. Eine Gesellschaft mit solchem Wandel ist reif für den Untergang, der Übermensch ist der Vorläufer und Wegbereiter des Gerichtes. Die Sintflut Fast noch entschiedener als bei der Schöpfungsgeschichte scheinen sich Religion und Naturwissenschaft, Bibel und Geschichte bei dieser Erzählung zu widersprechen, aber auch hier werden Religion und Bibel nur gewinnen, wenn man ihre Absichten und ihre Darstellungsweise richtig versteht. Die 467

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