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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 465

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-10-01
Page
465 (sequence 3)
Language
German
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Übermenschen früh aus unserer Stelle die Lehre von „gefallenen Engeln" ab, deren Anführer Lucifer, der „Lichtbringer", also ursprünglich ein Lichtengel, war und zu ewiger Verdammnis in die Hölle gestürzt wurde. Wie der Glaube an Göttersöhne entstanden ist, können wir wohl verstehen. Es war der bezwingende Zauber, der von großen Persönlichkeiten, ausgezeichnet durch Geist, Kraft und Schönheit, ausging. Und wenn man in die Urzeit zurückging, was mußten das für Menschen gewesen sein, die mit einfachen Werkzeugen und Waffen die Urwälder gerodet und das Land von wilden Tieren und sagenhaften Ungeheuern wie Drachen und Lindwurm befreit haben, vor deren zyklopischen Bauten staunend die Nachfahren stehen. Waren sie keine Götter, so hatten sie gewiß göttliche Eltern. Die Götter selbst waren ja auch nur gesteigerte, idealisierte Menschen, waren gezeugt und geboren, freiten und ließen sich freien. Und wie hervorragende Menschen zu Göttern erhoben wurden, so konnten Götter zu den Menschen herabsteigen. Manche Nachricht in der Bibel scheint daran anzuklingen. Ein Henoch wird „entrückt", Elia fährt gen Himmel, ein Mose steigt hinauf, und aus dem mit überirdischen Wesen bevölkerten Himmel steigen göttliche Boten (Engel) hernieder. Dennoch macht der biblische Begriff des Göttlichen, der sich hierin immer gleich bleibt, jene Auslegung unmöglich. Man bemerke z. B., daß dei israelitische Geist auch in seinen frühesten Gestaltungen niemals die Vorstellung einer weiblichen Gottheit gefaßt hat, sodaß es im Hebräischen nicht einmal ein Wort für „Göttin" gibt Auch die Engel sind ihrem Geschlechte nach keine Menschen. Es gibt zwar Gottesmänner d. h. Männer, die vom Geist Gottes erfüllt sind, aber nimmermehr Halbgötter und Gottmenschen. Ein sich gegen Gott empörender Engel wäre dem biblischen Denken ebenso unerträglich wie der Gedanke, daß die Elemente ihren Dienst verweigern könnten. Endlich paßt zu dieser Auslegung nicht das folgende Strafgericht, das nur die Menschen trifft Eine andere Erklärung geht dahin, daß die Gottessöhne, die wegen ihres frommen Wandels so benannten Sethiten waren, die Töchter der Menschen aber seien die Kainitinnen gewesen. Oder umgekehrt: die Gottessöhne waren die bösen Kainiten, die „Menschen" die Nachkommen Seths. Wie wir sahen, spaltet sich die Menschheit in zwei Linien, die Nachkommen Kains und die Nachkommen Seths. Die Kainiten scheinen die Gottlosen zu sein, von ihnen stammen zwar die Fortschritte der Kultur, aber ihre Geschichte beginnt mit Mord und endet mit einer Verherrlichung des Schwertes, denn dies 465

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