Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1925)
- Article
- Einführungen in das Erste Buch Mose
- Date
- 1925-10-01
- Page
- 464 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob ernstgemeint war. Zudem läßt sich bis in alle Einzelheiten nachweisen, wie diese Zahlen durch künstliche Rechnung zustande gebracht worden sind. Bestimmend für die Ansetzung der hohen Lebensalter war auch die Vorstellung einer von der Schöpfung her übergewaltigen Menschheit, die erst allmählich zu den normalen Verhältnissen herabsinkt Die Geschlechter nach Noah übersteigen zum Teil nicht die 5oo, zum Teil kaum die 200, und die folgenden; erreichen auch diese nicht Erzielt wird dabei aber eine feste Chronologie, die z. B. für die Sintflut das Jahr i656, und für die Gegenwart noch nicht das Jahr 6000 „nach Erschaffung der Welt" ergibt, eine Zahl, die auf alle Fälle viel zu klein ist Freilich kommt es uns dabei nicht sowohl auf diese Zahl als auf den Zusatz nach Erschaffung der Welt an, womit wir das Dogma ausdrücken wollen, daß nur Einer ewig ist: Gott, und nicht die Welt Eine Parallele, die nicht zufällig sein kann, haben die zehn Geschlechter (wenn dem Berossus zu trauen ist) in der Urgeschichte der Babylonier. Nach ihr regierten vor der großen Flut zehn Könige, aber hier bekommen wir noch ganz andere Zahlen zu hören. Die kürzeste Regierungszeit ist 10800 Jahre, andere bringen es bis auf 54 000 und die Gesamtsumme ist i20x36oo 432 000. Worauf diese mit Noah schließende Reihe hinstrebt, das ist das große Ereignis der Sintflut Als Überleitung dient ein vielumstrittener Absatz. In den Göttersagen vieler Völker insbesondere in der griechischen Mythologie begegnet uns häufig der Gedanke, daß Götter in irdischer Liebe zu menschlichen Weibern entbrennen oder auch Göttinnen sich mit sterblichen Männern vereinigen; aus dieser Vermischung sollen die Halbgötter, Heroen, Giganten und Titanen entsprossen sein. Er würde sich auch in dem letzten Absatz unseres Abschnittes finden, wenn die von der herrschenden Auslegung gegebene Erklärung richtig wäre. „Als nun die Menschen anfingen, sich auf der Erde zu vermehren und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Gottessöhne, daß die Töchter der Menschen gar schön waren und nahmen sich zu Weibern, welche ihnen irgend gefielen- .... Zu jener Zeit waren die Riesen auf Erden, und auch nach der Zeit, wo sich die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen gesellten und diese ihnen gebaren — das sind die Recken, die in grauer Vorzeit hochgefeiert waren". Unter diesen „Gottessöhnen" seien die Engel, himmlische Wesen, von denen die Schrift auch sonst weiß, zu verstehen. Sie seien vom Himmel auf die Erde hinabgestiegen, in Abfall von Gott und sündlichem Begehren. Ähnlich leitete man schon 464