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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 460

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Staat und Erziehung
Date
1925-10-01
Page
460 (sequence 9)
Language
German
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Friedrich Niebergall gessen werden, was die Geschichte sagt, daß sie weder diesem Bildungsgut noch dem dazu gehörigen Bildungsideal der freien, also auf wirklicher eigener Prüfung und Entscheidung beruhenden Persönlichkeit, die sich als solche willig ins größere Ganze eingefügt, sympathisch gegenüberstünde. So lange die von dieser Seite nach unseren Maßstäben sehr bedenklichen Gefahren nicht beseitigt werden, hat der Staat das geschichtliche Recht, auf der Wacht zu stehen gegen eine Beeinträchtigung des Bildungsgutes und des Bildungsideals- Es kann sich bei konfessionellen Privatschulen nur um eine unfreiwillige Konzession an parteipolitische Mächte handeln. Sie haben nur ein relatives Recht, wenn sie unter der Aufsicht des Staates jenen Anforderungen entsprechen. Daneben freilich kommt noch ein anderer Gesichtspunkt in Betracht Pädagogische Fortschritte gehen selten von der Staatsschule, in der Regel von privaten Unternehmungen aus. Darum muß Raum bleiben für Landerziehungsheime und ähnliche Anstalten, die in kleinerem Räume Versuche anstellen können, die sich dann, nicht ohne zuerst Widerstand za finden, auf die Staatsschulen übertragen lassen. Aber auch sie müssen jenen formalen Bedingungen genügen. Daß solche Fortschritte aus kirchlichen Anstalten hervorgegangen sind, davon ist mir nichts bekannt geworden. Und wir gehen noch einen Schritt weiter. Wir sagen rundheraus, daß wir uns zu diesem gegenwärtigen Staate als Schulherren bekennen, dem republikanischen und demokratischen, auf die Verständigung unter den Völkern bedachten Staat Wir tun es freilich im Gegensatz zu dem alten Staat, der gewiß viel gesündigt hat, indem er die Schulen mißbrauchte, um Byzantinismus, Klassenherrschaft schlimmster Art und Chauvinismus zu fördern. Wenn der gegenwärtige diese Richtung bekämpft und die Gesinnung pflegt, die ihm als seine eigene Grundlage wichtig ist, so halten wir das für recht. Wenn er auch daran denkt, sich in dem Herzen der Jugend einen Platz zu sichern — bisher ist es ihm noch wenig gelungen — so ist dieser Staatsegoismus mit nichten tadelnswert; denn wir leben alle von dem Staat, auch die, die ihn bekämpfen. Wenn man sich einmal bei Lehrern befragt, die nicht gegen ihn politisch eingenommen sind, dann kann man hören, daß der Staat tatsächlich durchaus darüber nicht vergißt, alles pflegen zu lassen, was die zukünftigen Staatsbürger auch als Menschen und Berufsträger nötig haben. Auch für das Göttliche und Ewige sorgt er, um diesen Punkt nicht unerwähnt zu lassen, von dem oben die Rede war. Oder hat er nicht den Religionsunterricht zu einem Pflichtfach gemacht? Freilich, wer auf dem 460

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