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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 459

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Staat und Erziehung
Date
1925-10-01
Page
459 (sequence 8)
Language
German
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Staat und Erziehung die gegnerische auf solche zurückführen. Wir geben auch willig zu, daß von da aus ebenso unser Urteil über die sog. empirische Wirklichkeit geleitet wird, wie auf der Gegenseite; denn jede Verallgemeinerung steht auch auf den Wertungen und Affekten, die aus der unübersehbaren Fülle auswählen und übersehen, was zu ihnen paßt und nicht paßt So reihen wir Grundsätze und Beobachtungen aneinander, die auf die genannte Weise mit unserem Urteil zusammenhängen. Der Staat ist der geborene Schulherr. Dafür berufen wir uns nicht, wie es die Freunde der Kirche tun, auf angebliche Urrechte, die von der Gegenseite einfach bestritten werden können. Wir sagen gerade heraus: als Jünger der Reformation und als Schüler des Idealismus und der Aufklärung treten wir für den Staat ein. Wir sehen ihn nicht bloß an als den „Racker, der nur Steuern und Kanonen" hat, wie ein bekanntes katholisches Wort lautet, sondern wir sehen in ihm auch den Diener Gottes von gleichem Rang wie die Kirche. Kann man auch diese von einem pessimistischen und realistischen Gesichtspunkt aus betrachten, so auch den Staat trotz allem von der idealistischen Seite: er gehört zwei Welten an, der realen und auch der idealen; er hat sein Soll wie jede andere Anstalt auch, und er wird ihm nicht weniger gerecht — Und er hat als Träger der nationalen Kultur sein Recht In dem ersten Aufsatz und auch in den andern Ausführungen zu der Sache ist viel von der Erziehung; und von dem für das Leben nötigen Wissen und Können die Rede. Aber nirgends erscheint der Begriff der nationalen Kultur. Von Kultur ist ja wohl die Rede; aber nicht von der nationalen, also in unserem Fall von der deutschen. Man kann nun von dem Interessen- und Klassenstaat reden, soviel man will; man darf aber nicht leugnen, daß er auch noch eine andere' Seite hat, wenigstens haben soll und haben kann, und das ist die ideale^ daß er der Träger der deutschen Kultur ist Natürlich empfängt er sie, weil er sie nicht schaffen kann; aber er fördert sie doch und pflegt sie, wie jeder Kultushaushalt beweist Und es ist die große Frage, ob die Anstalten, die man an seine Stelle als Schulherrn setzen würde, das auch in dem Maße täten. Und er hat das Recht auf eine monopolartige Stellung im Bildungswesen, weil er allein imstande ist, darauf zu halten, daß alle Kinder des Volkes von dem besten Erbe, über das es verfügt, wenigstens einmal einen Hauch verspüren, von dem Geist des deutschen Idealismus und der deutschen Wesensart überhaupt — Wir sehen von diesem Standpunkt aus einer Vorherrschaft der Kirche mit großem Bedenken entgegen. Es kann nicht ver- 459

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