Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1925)
- Article
- Das neue Denken
- Date
- 1925-10-01
- Page
- 449 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Das neue Denken So aber, in dieser Wiederkehr der ewig-unsichtbaren Voraussetzungen dieser Erfahrung in der Endklarheit der ubererfahrenen Wahrheit stellt sich nun die wahre Ordnung der dreie her und indem Gott das Haupt wird, der. Gott der Wahrheit, klärt das letzte Buch die Verworrenheit des ersten, dessen' Gott zu Welt und Mensch nicht bloß keine Beziehung hatte, sondern nicht einmal einen festen Platz, so daß er nicht den Gott der Wahrheit, sondern nur die falschen Gotter bedeuten konnte. Nur die falschen Götter hatten dort als die Erfüllung des Gottesbegriffs, der Frage: Was ist Gott?, erscheinen können. Jetzt, da sich jeder Gottesbegriff längst zum verborgenen Gott verdunkelt hat und Gott selbst sich als Schöpfer, Offenbarer, Erlöser offenbart, brennt in dem Gott der Wahrheit der Erste und Letzte und der Herzmittengegenwärtige in eins, und von diesem Gott, in welchem wirkliches Gewesen und wirkliches Ist und wirkliches Werden zusammenschießen, dürfen wir — nun erst — sagen: Er ist Hier schließt das Buch, Denn was nun noch kommt, ist schon jenseits des Buchs, „Tor" aus ihm heraus ins Nichtmehrbuch. Nichtmehrbuch ist die entzückt-erschrockene Erkenntnis, daß in diesem Schauen des „Weltgleichnisses im Gottesantlitz", in dieser Ergreifung alles Seins in der Unmittelbarkeit eines Augenblicks und Augen-blicks die Grenze der Menschheit betreten ist Nichtmehrbuch ist auch das Innewerden, daß dieser Schritt des Buchs an die Grenze nur gesühnt werden kann durch — Aufhören des Buchs. Ein Aufhören, das zugleich ein Anfangen ist und eine Mitte: Hineintreten mitten in den Alltag des Lebens. Das Problem des Philosophen geht durch das ganze Buch, insbesondere durch die drei Einleitungen. Erst hier findet es seine endgültige Lösung. Philosophiert werden soll auch weiterhin, ja grade weiterhin. Jeder soll einmal philosophieren. Jeder soll einmal vom eigenen Stand- und Lebenspunkt rundumherschauen, aber diese Schau ist nicht Selbstzweck. Das Buch ist kein erreichtes Ziel, auch kein vorläufiges. Es muß selber verantwortet werden, statt daß es sich selber trüge oder von andern seiner Art getragen würde. Diese Verantwortung geschieht am Alltag des Lebens. Nur um ihn als All-tag zu erkennen und zu leben, mußte der Lebenstag des All durchmessen werden. Daß es schwer ist, als Autor über sein eigenes Buch zu sprechen, habe ich im Schreiben dieser Seiten erfahren. Der Autor darf sich kaum anmaßen, Authentisches zu sagen. Denn grade zu dem, was an seinem Werk 449