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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 442

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Das neue Denken
Date
1925-10-01
Page
442 (sequence 17)
Language
German
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Franz Rosenzweig Problem des Gottesnamens ist nur ein Teil des logischen Problems des Namens überhaupt; und eine Ästhetik, die sich keine Gedanken darüber macht, ob Künstler selig werden können, ist zwar eine höfliche, aber auch eine unvollständige Wissenschaft Vollständigkeit ist ja überhaupt die eigentliche Bewährung des neuen Denkens. Vom alten aus sind seine Probleme größtenteils einfach unsichtbar und werden, wenn sie sich ihm in den Gesichtskreis drängen, nicht als wissenschaftliche Probleme erkannt; das gilt nicht nur von den im engeren Sinn theologischen, sondern auch von dem größten Teil der menschlichen, welche die grammatische Methode für wissenschaftliche Erfassung greifbar macht, etwa für die Logik des Ich und Du oder für die eben schon angeführte des Namens. Hingegen bleibt von der Position des neuen Denkens aus der ganze Bereich des alten einsehbar und bestreichbar. Etwa die Probleme der alten, aristotelischen und kantischen, Logik bleiben als Probleme des Es für das Sprachdenken durchaus Probleme; als solche werden sie im ersten Buch des Bandes, freilich nur in erster Orientierung, aber doch schon herausgenommeE aus der falschen Beziehung auf das Ich und wenigstens grundrißhaft eingestellt in die richtige auf das Er, auf Ihn, behandelt Gott hat eben nicht die Religion, sondern die Welt geschaffen. Und wenn er sich offenbart, bleibt doch die Welt rings herum stehen, ja ist nachher erst recht geschaffen. Die Offenbarung zerstört ja das echte Heidentum, das Heidentum der Schöpfung, mit nichten, sie läßt ihm nur das Wunder der Umkehr und Erneuerung geschehn. Sie ist immer gegenwärtig und, wenn vergangen, dann aus jener Vergangenheit, die am Anfang der Menschengeschichte steht, — Offenbarung an Adam. Sie als „allzeit erneuerte" ist Inhalt des zweiten Bandes wie das Heidentum als „immerwährendes" Inhalt des ersten. Er handelt von der sichtbaren und hörbaren, eben also offenbaren Wirklichkeit, sein Vorgänger von ihrer dunkel-stumm geheimen Voraussetzung. Von den historischen Gestalten der Offenbarung in ihrer Unterschiedenheit> vom Judentum und seinem antipodischen Sproß, dem Christentum, ist hier noch gar nicht die Rede. Nur weil und insofern diese beiden die ^Offenbarung an Adam" erneuern, nur insofern ist das neue Denken jüdisches oder christliches Denken. Und andrerseits weil und insofern das Heidentum in seinen historischen Gestalten diese Offenbarung an Adam, der so wenig Heide war wie Jude oder Christ, vergessen oder verleugnet hat, ist dieses historische, zur Gestalt für sich erstarrte Heidentum freilich durchaus nicht immerwährend; 442

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