Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1925)
- Article
- Das neue Denken
- Date
- 1925-10-01
- Page
- 441 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Das neue Denken Eugen Rosenstock, dessen jetzt gedruckte „Angewandte Seelenkunde" mir, als ich zu schreiben begann, schon anderthalb Jahre im ersten Entwurf vorlag. Seitdem ist außer im Stern noch eine weitere prinzipielle Darstellung der neuen Wissenschaft erschienen im ersten Band von Hans Ehrenbergs selber in der neuen Form des echten zeilbrauchenden Gesprächs verfaßtem Idealismuswerk, dem „Fichte"; Victor v. Weizsäckers „Philosophie des Arztes" wird in absehbarer Frist erscheinen; Rudolf Ehrenbergs „Theoretische Biologie" stellt die Lehre von der organischen Natur zum ersten Mal unter das Gesetz der wirklichen, unumkehrbaren Zeit Unabhängig von den Genannten und von einander sind außerdem zum Brennpunkt des neuen Gedankens, also zu dem, was im Centraibuch des Sterns abgehandelt wird, vorgestoßen Martin Buber in „Ich und Du" und Ferdinand Ebner in der mit meinem Buch genau gleichzeitig entstandenen Schrift „Das Wort und die geistigen Realitäten". Instruktive Beispiele praktischer Anwendung des neuen Denkens enthalten die Anmerkungen zu meinem „Jehuda Halevi". Ein genaues und tiefes Wissen um all diese Dinge ist eingeschlossen in die Grundsteine der gewaltigen, meist noch ungedruckten, Werke Florens Christian Rangs. Theologisches Interesse hat bei all den eben Genannten dem neuen Denken zum Durchbruch geholfen. Gleichwohl ist es kein theologisches Denken. Wenigstens ganz und gar nicht, was man bisher unter einem solchen verstehen mußte. Weder im Ziel noch in den Mitteln.. Weder richtet es sich nur auf die sogenannten „religiösen Probleme", die es vielmehr mitten unter, ja gradezu mitten in logischen, ethischen, ästhetischen behandelt, noch kennt es jene aus Angriff und Verteidigung gemischte, nie ruhig der Sache zugewandte Haltung, die für theologisches Denken charakteristisch ist Wenn das Theologie ist, dann jedenfalls als solche eine ebenso neue wie als Philosophie. Die Einleitung zum zweiten Band beschäftigt sich mit dieser Frage, wie ja überhaupt die drei Einleitungen dem Leser die Wege zu zeigen versuchen, die aus der ihm vertrauten geistigen Welt in die Welt des Buches führen. Nicht zur Hausmagd darf Theologie Philosophie erniedern, aber genau so entwürdigend ist die Rolle der Monatsfrau, welche die Philosophie in neuerer und neuester Zeit der Theologie zuzumuten sich gewöhnt hatte. Das wahre Verhältnis der beiden erneuerten Wissenschaften, wie die erwähnte Einleitung es entwickelt, ist geschwisterlich, ja bei ihren Trägern muß es zu Personalunion führen. Die theologischen Probleme wollen ins Menschliche übersetzt werden und die menschlichen bis ins Theologische vorgetrieben. Etwa das 44t