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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 433

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Das neue Denken
Date
1925-10-01
Page
433 (sequence 8)
Language
German
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Das neue Denken Definition. Natürlich nicht so, daß es nun etwa das Gleiche wäre; ich gebe in diesem ganzen Aufsatz dem Leser des Buchs ja nur Fingerzeige; will er wissen, was drin steht, so muß er es schon lesen; das kann ich ihm nicht ersparen. Aber jedenfalls glaube ich, mit dem eben Gesagten die Tendenz des •ersten Bandes, so gut man das als Autor kann — d. h. also sicher weniger gut als ein gescheiter Leser —, bezeichnet zu haben. Auf die Frage nach dem Wesen gibt es nur tautologische Antworten. Gott ist nur götlich, der Mensch nur menschlich, die Welt nur weltlich; man kann so tiefe Schächte in sie vortreiben, wie man will, man findet immer nur wieder sie selber. Und das gilt für alle drei gleichmäßig. Der Gottesbegriff hat nicht etwa eine Sonderstellung. Als Gottesbegriff ist er nicht unerschwinglicher als der Mensch- und Weltbegriff. Umgekehrt: das Wesen des Menschen und das Wesen der Welt — das Wesen! — ist nicht erreichbarer als das Wesen — das Wesen! — Gottes. Wir wissen von allen gleich viel, gleich wenig. Nämlich alles und nichts. Wir wissen aufs genaueste, wissen es mit dem anschaulichen Wissen der Erfahrung, was Gott, was der Mensch, was die Welt für sich genommen „ist"; wüßten wir das nicht, wie könnten wir davon reden und vor allem wie könnten wir die beiden jeweils einen auf das jeweils andre „zurückführen" oder die beiden jeweils andern Zurückführungsmöglichkeiten bestreiten! Und wir wissen ganz und gar nicht, mit dem hinteiv tückischen, „verändernden" Wissen des Denkens, was Gott, was die Welt, was der Mensch noch andres ist; wüßten wir das, wie könnte sich gegen solches Wissen jenes anschauliche noch derart halten, daß es uns immer wieder diese [Frage, diese Zurückführungsversuche ablockt? Gespenster verschwinden, wenn der Hahn der Erkenntnis kräht; diese Gespenster verschwinden nie. Daß wir glauben, diese Wesenheiten seien uns die eine näher, die andern entfernter, liegt, wie der damit zusammenhängende Mißbrauch der unsinnigen Worte immanent und transzendent, an einer Verwechslung der Wesenheiten mit den Wirklichkeiten Gott, Welt, Mensch. Zwischen denen bestehen allerdings Nähen und Fernen, Annäherungen und Entfernungen; die aber nicht zu seinshaften Eigenschaften erstarren, daß Gott also z. B. transzendent „wäre". Nein, sondern als Wesenheiten sind sich Gott, Welt, Mensch untereinander ganz gleichmäßig transzendent und von den Wirklichkeiten läßt sich nicht sagen, was sie „sind", sondern nur — aber das gehört noch nicht hierher. 433

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