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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 428

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Das neue Denken
Date
1925-10-01
Page
428 (sequence 3)
Language
German
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Franz Rosenzweig nicht ausführlicher als das Christentum, und kaum ausführlicher als den Islam. Er macht auch nicht etwa den Anspruch, eine Religionsphüosophie zu sein — wie könnte er das, wo das Wort Religion überhaupt nicht darin vorkommt I Sondern er ist bloß ein System der Philosophie. Und nun allerdings einer Philosophie, die dem Leser, sowohl dem fachmännischen als dem laienhaften, auch als solche das vollste Recht zum Mißfallen gibt, einer Philosophie nämlich, die nicht etwa eine bloße „kopernikanische Wendung" des Denkens herbeiführen möchte, nach der, wer sie vollzogen hat., freilich alle Dinge verkehrt herum sieht, aber doch nur die gleichen Dinge, die er auch schon zuvor sah, sondern seine, des Denkens, vollkommene Erneuerung. Ich würde das nicht sagen, wenn ich es nur von meinem Buch sagen müßte und nicht von dem Denken, das ich mir nicht einrede erfunden zu haben noch auch es in der Gegenwart als einziger zu .lehren. Vielmehr hat der gesunde Menschenverstand immer so gedacht und von zeitgenössischen Denkern immerhin mehr als sich der Überweg-Heintze heute träumen läßt Und für das Buch ist das eben Gesagte ja keine Empfehlung, sondern eher das Gegenteil. Denn Neues will weder der Fachmann noch der Laie. Jener ist froh, wenn er so weiter machen kann wie er es gelernt hat — sonst wäre er ja kein Fachmann; und dieser, wenn er sich mal „für Philosophie interessiert", will auch nicht eine neue und revolutionäre vorgesetzt bekommen, sondern die „richtige", die „Philosophie der Gegenwart" — sonst wäre er ja kein Laie. Und da das lesende Publikum sich aus diesen beiden Menschengruppen zusammensetzt, darf ich, was ich gesagt habe, gesagt haben ohne die Befürchtung, mein eigenes Buch empfohlen zu haben. Ein System der Philosophie besteht nach geheiligtem Brauche aus einer Logik, einer Ethik, einer Ästhetik und einer Religionsphilosophie. Der „Stern der Erlösung" bricht trotz seiner Dreibändigkeit — der Zusammendruck in einen Band geschah nur wegen der damaligen Verlagsschwierigkeiten und wird laut Zusage des Herrn Verlegers von der zweiten Auflage ab wieder der ursprünglichen Dreibändigkeit weichen — mit diesem Brauch. Er enthält zwar außer der vierten dieser Ingredienzien eines ordentlichen Systempunschs die übrigen alle: die Logik vornehmlich im zweiten Buch des ersten, im ersten des zweiten und im dritten des dritten Bandes; die Ethik im dritten Buch des ersten, im zweiten und dritten des zweiten und im ersten des dritten Bandes; die Ästhetik in allen Büchern des ersten und zweiten und im zweiten Buch des dritten Bandes. Aber wie schon aus dieser kuriosen Verteilung hervor- 428

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