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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 424

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Festansprache gehalten bei der Wormser Tagung des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten am 5. September 1925
Date
1925-10-01
Page
424 (sequence 5)
Language
German
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Julius Goldstein ein Deutscher? So und ahnlich könnte jeder von Ihnen — ceteris paribus — fragen. Aber da höre ich einen Ruf, einen millionenfachen Ruf mir entgegenschallen: Rasse! Rasse!! — Es gibt heute einen weitverbreiteten Geistestypus der Rassenbesessenen. Es ist durchaus nicht erstaunlich, daß dieser Typus einen Gedanken hat: die Rasse. Daß er aber nur diesen einen Gedanken und gar keinen andern hat, das ist das eigentlich Erstaunliche. — Einer späteren Zeit wird der Glaube an den reinrassigen Deutschen ebenso seltsam vorkommen, wie uns der Glaube des 18. Jahrhunderts an den edlen Wilden. Und nun gar hier am Rhein — der Völkerstraße Europas — hier Reinrassigkeit anzunehmen, wo doch nur rheinische Rassigkeit aufsprüht, — rheinische Rassigkeit, das Edelprodukt nördlicher und südlicher, östlicher und westlicher Rassen — hier, wo mehr denn irgendwo anders der Beweis erbracht ist, daß die nationale Idee einen Triumph des Geistes über das Blut darstellt — wenn irgendwo, so dürften gerade hier zwischen Menschen der weißen Rasse undurchsichtige Blutsfragen nicht bestimmend sein für die nationale Zugehörigkeit Nein, Rasse ist in der Menschenwelt nur der Rohstoff, den der Geist erst zu meistern hat Ob ein Tier zu einer bestimmten Tierart gehört, kann man an äußeren Merkmalen feststellen. Ob aber ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen zu einer Nation gehört, das läßt sich, wenigstens in Europa, nicht an äußeren Merkmalen feststellen. Wie viele der deutschvölkischen Führer kämen gar übel dabei weg, wollte man nur aus ihren äußeren Merkmalen ihr Deutschtum erschließen! Ob der Rücken einer Nase konvex oder konkav ist, hat mit dem Deutschsein nichts zu tun. Deutsch-sein ist eine Frage der inneren Notwendigkeit, die Bejahung einer Schicksalsgemeinschaft, der opferbereite Wille zu gemeinsamer Zukunft „Deutsch-sein ist mehr als deutsch-geboren-sein", sagte vor kurzem Kardinal Faulhaber. Wir unterschätzen nicht die Bedeutung der Abstammung. Wir setzen sie aber nicht als das Entscheidende des Menschen. Ein Deutschtum der Abstammung — der Edle und der Schurke, der Held und der Feigling teilen sich darein. Deutschtum, das ist uns: Die Welfeoffenheit Goethes und Hölderlins, die Innigkeit Mörikes und Unlands, die Verklärtheit und Helle Mozartscher Musik, der ringende Tiefsinn deutscher Denker. Deutschtum — es ist nicht mit einer Definition zu erfassen, am 424

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