Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1925)
- Article
- Das Numinose der Hohen Feiertage
- Date
- 1925-10-01
- Page
- 415 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Numinose dor Hohen Feiertage (Sch'ma jisrael). Seine Wirkung ist so stark — und nicht nur an den Hohen Feiertagen, — daß heute noch, in unserer „nüchternen" Zeit, Beter dabei die Augen verhüllen, um innerlich gesammelt von dem Strom religiöser Empfindungen, die diese Worte wecken, sich überfluten zu lassen. Woher kommt diese Wirkung? Welche Seite des Numinosen wird, wenn wir das „Sch'ma jisrael" *) sprechen, uns offenbar? Die Antwort ist nicht leicht Es widerstrebt auch unserem Gefühl, das heiligste Bekenntnis zu zerfasern. Dennoch wollen wir es einmal wagen in der Hoffnung, einen religiösen Gewinn dadurch heimzutragen. Wenn wir „Sch'ma jisrael" sprechen, so tritt uns als erstes das „Fascinosum" entgegen, das durch das Wort „elohenu" „unser Gott" geweckt wird, die Zuversicht auf den helfenden, den schützenden, den treuen Gott Es ist aber auch das „Mysterium", das „ganz Andere", das „Einzigartige", das, angeregt durch das Wort „echad", uns scheu erbeben läßt Aber das ist noch nicht alles. Man könnte sagen, wenn man von de)m Schema ausgeht, das Otto in seinem Buch „das Heilige" aufgestellt hat: Was noch fehlt, das ist das „Tremendum" und zwar vor allem als „Majestas" als das „Erhabene", das uns in der zweimaligen Wiederholung des Gottesnamens rtyT (gewöhnlich von uns Juden „Adonai" gelesen) entgegentritt. Aber man fühlt, das stimmt doch nicht ganz. In dem Worte „Adonai"' ist gewiß etwas von dem „Tremendum" enthalten, aber doch nicht als „Erhabenes" oder nicht nur als „Erhabenes", sondern als noch etwas anderes. Was ist das? Wir kommen der Lösung näher, wenn wir uns klar machen, wie wir „Adonai" übersetzen. Luther übersetzt „der Herr". Das ist gewiß richtig, sofern die Erhabenheit Gottes damit bezeichnet wird. Aber besser ist „der Ewige". Damit kommen wir zu einem neuen Moment des Numinosen, das von Otto nicht beachtet sein dürfte, dem Moment des „Aeternum" des „Ewigen", das wir neben die von Otto erwähnten Momente: Das „Mysterium", das „Tremendum", die „Majestas", das „Energicum" und das „Fascinosum" zu setzen haben. Das „Aeternum" ist der „Majestas" parallel. Dem „räumlich Erhabenen" entspricht das „Aeternum" als das „zeitlich Erhabene". Der Schatten des Numinosen ist, wie Otto richtig darstellt, das „Kreaturgeführ' und zwar der Schatten der „Majestas", die eigene mensch- GcLete am Neuen Jahr, S. 7 a und an vielen anderen Stellen des Gebetbuchs der Juden. 4X5