Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1925)
- Article
- Das Numinose der Hohen Feiertage
- Date
- 1925-10-01
- Page
- 414 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2895450-2895451-2895456-2896250--00493-2896305- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
15. Italiener die Worte... nSJW?) ^HSIV sowie durch die Häufung von nicht weniger als acht im Grunde alle das Gleiche bedeutenden Lobpreisungen Gottes, ein Mittel zur Erzeugung einer numinosen Wirkung, das wir auch sonst finden, im i36. Psalm mit dem stereotypen, „denn ewig währet seine Güte'* oder dem „Gott ist König, Gott war König, Gott wird König sein in Ewigkeit", das in der Huldigung Gottes an den Hohen Feiertagen im Morgengebet sich findet1) und „unbegreiflich" oft wiederholt wird. Endlich sei hier noch einmal an die schon oben erwähnte Tatsache erinnert, daß das „Kaddisch" von Gott nur in der dritten Person redet Es ist die numinose Scheu der Kreatur, die sich darin bekundet Zu der Form paßt der Inhalt des „Kaddisch", das nichts weniger als die Bitte um Herbeiführung des Gottesreiches enthält, d. h. des „ganz Anderen", des „Wunders", dessen, was allem Irdischen, allem Vergänglichen schlechthin entgegengesetzt ist Und wiederum ist es die Paradoxie, die die numinose Wirkung ausübt „... Sein Reich komme in Eurem Leben und in Euren Tagen und im Leben des ganzen Hauses Israel . . .", das heißt: das „Wunder", die „Verwandlung" alles Irdischen, die „Vergöttlichung" der Welt, dieses alles wird mit leidenschaftlicher Inbrunst ersehnt — nein, mehr als ersehnt, es wird gefordert „gar bald, in naher Zeit" durch „Heiligung seines großen Namens" d. h. durch das Wunder in uns, durch Erfüllung unseres Lebens mit göttlichem Geiste. Nur wer an die Verwirklichung des Wunders glaubt, des Reiches Gottes auf Erden, der wird gleichsam in dem Vorahnen der Seligkeit etwas verspüren von dem dithyrambischen Schwung, der in der folgenden Lobpreisung Gottes enthalten ist, der wird aber auch die Steigerung verspüren, die in den Worten liegt . . . KtfFX?) Kpypa-^-JÖ K^JT? . ., (l'ela min kol birchatha w'schiratha) „der erhaben ist über alle Lobpreisungen und Lieder und Huldigungen.. . ." Diese Worte enthalten im Grunde nur Negativa, sie bekunden das Versagen der Kreatur vor dem, was unsagbar ist, und werden doch als höchst positive Preisungen des Schöpfers empfunden, zumal an den Hohen Feiertagen, an denen zu dem (l'ela) noch ein K^gf^ (ul'ela) hinzugefügt wird, das Gemüt in der Huldigung Gottes mit seligen, unsagbaren Schauern erfüllend. — — Zum Schluß sei noch die Rede von einem Gebete, das uns Juden die Gegenwart des Numinosen wie kaum ein anderes fühlen läßt, dem*?*^??!) Gebete am Neuen Jahr, S. 108. 414