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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 412

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Das Numinose der Hohen Feiertage
Date
1925-10-01
Page
412 (sequence 6)
Language
German
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B. Italien«* Schweigen der Engelsscharen, die die Nähe des Heiligen verstummen macht; es liegt darin aber auch etwas von dem stillen geheimnisvollen Weben des Gottesgeistes, wie wir ihn in dem Keimen und Wachsen der Pflanzen, aller Lebewesen ahnen (ssiach wachsen). Darum sollte auch in unserem Gottesdienste die K'duschah viel leiser gesungen werden. In den meisten Kompositionen zur K'duschah kommt wohl die Größe Gottes zum Ausdruck, „dessen Herrlichkeit die Welt erfüllt", aber nichts von dem Geheimnis, das in dem „ssod ssiach" enthalten ist, nichts von der ehrfürchtigen Scheu, mit der die Engel in Jesaia Kap. 6 bei dem dreimal „Heilig" ihr Antlitz verhüllen. Überhaupt sollte in unserem Gottesdienst wieder mehr die Bedeutung der Stille, das heilige Schweigen gewürdigt werden. „Still alles Fleisch vor Gott", sagt der Prophet Gesang und Predigt sollten nur die Vorbereitung bilden für die ehrfürchtige Stille, für das Einswerden der Seelen mit Gott. Von diesem Gesichtspunkt aus ist beispielsweise der Wegfall der stillen „T'fillah" ein Irrweg. Wer von uns hätte noch nicht die Sprache der Stille empfunden, wenn an Hohen Feiertagen die Gemeinde in stillem Gebet verharrte — da war Gott im Gotteshause . . . Bezeichnend ist, daß in der ganzen K'duschah von Gott in der dritten Person die Rede ist Erst ganz am Schluß, da die Erhabenheit des Höchsten gekündet wird, da die verhaltene Spannung, die Scheu, die besonders den ersten Teil erfüllt, sich gelöst hat, erst da heißt es: „Wie erhaben ist Dein Name!" Eine ähnliche Beobachtung kann man an vielen anderen Stellen unseres Gebetbuches machen: in dem bereits von Otto ausführlich behandelten „Melech eljon"1), in der Huldigung Gottes am Versöhnungstage „Imru lelohim"2) sowie „Maasse elohenu"3), so vor allem auch in dem herrlichen Liede „Haadereth w'haemunah"4), von dem nachstehend noch ausführlicher die Rede sein soll, in dem ganzen ersten Absatz des (Alenu) Gebetes5) und im tf"1^ (Kaddisch) 6). In allen diesen Stücken ist es die „Majestas"^ ist es das „Tremendum", das den Beter zur Distanz zwingt Im Gegensatz hierzu stehen beispielsweise die Bußgebete, so das bekannte „wir W. Heidenheim, Gebete am Neuen Jahr, 2. Tag, S. 110. 2) W. Heidenheim, Gebete für den Versöhnungstag mit deutscher Obersetzung, Rödelheim i856, S. 108 f. *) a. a. 0. S. n4. 4) a. a. O. S. 122. *) a. a. 0. Mussafgebet S. 66. «) Gebete am Neuen Jahr, S. X2{. 412

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