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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 411

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Das Numinose der Hohen Feiertage
Date
1925-10-01
Page
411 (sequence 5)
Language
German
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Das Numinoso der Hohen Feiertage weiden: „kol d'mamah dakkah" „ein sanftes, leises Wehen" — in der Stille wohnt Gott. Ergreifend wirken die Gegensätze, das Aufand Niederwogen: dem Lärm folgt die Stille, auf diese wieder die drängende Bewegung der Engel und dieser dann die friedvolle Erhabenheit des himmlischen Richters, der wie ein Hirt die Seelen der Menschenkinder prüfenden Auges an sich vorüberziehen läßt Das „Fascinosum", das unter dem Bild des treuen Hirten erscheint, ist ein Ton, der nur leise angeschlagen wird. Stürmisch drängt sich wieder das! „Tremendum" vor, das ursprüngliche Motiv des Weltenrichters, der gleichzeitig jedem Einzelnen sein Los bestimmt Aber noch eine andere Seite des Numinosen wird jetzt fühlbar, das Moment des „Energicum", der lodernde Wille, die drängende Forderung, der Gott, der nur geheiligt werden kann!f|^2£2„durch sittliche Tat". Daher die Worte, in denen das ganze Gebet gipfelt: „Buße, Gebet und sittliche Tat wenden das böse Verhängnis ab". Die erschütternde Wirkung gerade dieser Worte auf das Gemüt des Juden hat ihren guten Grund. Hier hat das „Heilige" gleichsam seine höchste Entfaltung erreicht: Das Rationale, das Sittliche vermählt mit dem Irrationalen, dem Numinosen, das uns als „Tremendum", ganz leise auch als „Fascinosum" soeben entgegengetreten war. So erscheint es nur „folgerichtig", daß jetzt, nachdem das „Heilige" zur strahlendsten Höhe emporgewachsen ist, das, was Otto als den Schatten des Numinosen bezeichnet, „das Kreaturgefühl", nun machtvoll durchbricht, daß die ganze Nichtigkeit und Hinfälligkeit dessen geschildert wird, was nur ^T^, nur „Fleisch und Blut" ist, und das nichts anderes ist als „eine zerbrochene Scherbe, dürres Gras, eine welke Blume, ein gleitender Schatten, ein leichtes Wölkchen, ein wehender Hauch, ein flatterndes Stäubchen, ein zerrinnender Traum 1" — — — Und wiederum wird die Seele von dieser tiefsten Tiefe emporgerissen zur höchsten Höhe: „w'atta hu melech el chai w'kajam" „Du aber bist König,; ewig lebender Gott". Und in dem jubelnden Sang, der die Ewigkeit Gottes schildert, „en kizwah lisch'nothecha" „kein Ende — Deinen Jahren..." findet diese großartige, wahrhaft numinose Dichtung ihren Abschluß. Die ehrfürchtige Scheu, das heilige Erbeben, das das „Un'thane thokef" erfüllt, bildet das Band, das überleitet zur „K ' d u s c h a h", zur Heiligung Gottes und besonders zu den ersten Worten: „k'ssod ssiach ssarfe kodesch".1) Es ist unmöglich, sie zu übersetzen. Es liegt darin das andachtsvolle i) Heidenheim, a. a. O. S. 180. 4tt

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