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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 404

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Das Alte Testament als kanonische Urkunde des Protestantismus
Date
1925-10-01
Page
404 (sequence 8)
Language
German
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Hans Schmidt Wie ein Kind gestillt an seiner Mutter liegt, So ruht meine Seele gestillt in mir. Israel hoffe auf den Herrn Von nun an in Ewigkeit Die Umkehr des Jesaia, die Abwendung von allem, einst — ach, wie heiß — ersehnten Irdischen zu Gott hin und die wunderbare Stille, die das Bild des am Herzen seiner Mutter eingeschlafenen Kindes mit unüberbietbarer Eindruckskraft uns gegenstandlich macht — ist das nicht wiederum der „Glaube" und aller „Gesetzlichkeit" fremd? Und nun nehmen wir noch hinzu das tiefe Gedicht des 5i. Psalms, in dem die Sehnsucht nach dem Geborgensein in Gott aus dem Schatten erkannter Sünde aufsteigt: Erbarme Dich mein, o Gott, nach Deiner Huld, Nach der Fülle Deiner Barmherzigkeit tilge aus meinen Frevel! Wasch mich gründlich von meiner Schuld Und von meiner Sünde reinige mich! — Auch hier betet ein Leidender vor uns: Stille meinen Durst nach Jauchzen und nach Freude, Die Gebeine, die Du geschlagen hast, sollen sich wieder freuen. Daß Krankheit Strafe ist, daß der, der bitter leidet, nur erfährt, was er verdient hat, das ist ein harter Schluß, ein Urteil, gegen das sich alles in uns kehrt. Und doch, wenn ein Leidender von sich selbst so urteilt, wenn er, nicht laut vor den Leuten, aber in der Stille seines Gebetes sein Leben prüft und bei sich selbst bekennt: Ich kenne meinen Frevel wohl, Und meine Sünde steht mir stets vor Augen — dann treten wir in Ehrfurcht zurück; denn wir spüren, wie die Schmerzen an ihm gestaltet haben, wie er durch seine Krankheit reiner und tiefer geworden ist Das gilt von dem Leidenden, der in Psalm 5i betet Er weiß, er hat es verdient, daß seine Glieder von Gott geschlagen sind. Nicht, daß er etwas besonders Schlechtes begangen hätte, daß Jemand kommen könnte und ihm die Gebote nennen, die er übertreten hat: An Dir, an Dir allein hab ich gesündigt, Was in Deinen Augen böse ist, habe ich getan! Der Gichtbrüchige, der zu Jesus gebracht wurde, sah mit solchen Augen 404

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