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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 399

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Das Alte Testament als kanonische Urkunde des Protestantismus
Date
1925-10-01
Page
399 (sequence 3)
Language
German
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Das Alte Testament als kanonische Urkunde des Protestantismus Sohnes eines gewissen Remalja! Der Plan müßte aus höherem Rat stammen! Dieses Überzeugtsein, dieses Vertrauen, diese „gewisse Zuversicht", daß Gott es ist, der die Geschichte lenkt — dafür wird hier der Begriff hä ^min „Glauben" gebraucht Zugleich hören wir, welche psychische Folge dieses religiöse Überzeugtsein hat: es hilft dazu — um ein neutestamentliches Wort zu gebrauchen — „daß das Herz fest werde." Die Andern beben „wie Waldbäume im Sturm." Der Glaubende ist in unerschütterlicher Ruhe. Ihn kann nichts erschrecken. Bei einer anderen Gelegenheit hat der Prophet Jesaia diesen Grundbegriff seiner Frömmigkeit noch einmal und nun mit anderen Worten zu umschreiben versucht: „So hat gesprochen Der Herr Jahvä, Der Heilige Israels: Durch Umkehr und Ruhe wird Euch geholfen, Im Stillesein und Vertrauen liegt Eure Kraft! Aber Ihr habt nicht gewollt! Ihr sagtet: nein! Auf flüchtigem Renner wollen wir fliegen!" Was meint der Prophet mit „Umkehr"? Es ist zunächst nicht ein Sichumwenden in der sittlichen Haltung, ein Ablassen von bestimmten Fehlern und Sünden. Die Worte sind offenbar kreuzweis gestellt: das erste entspricht dem vierten, wie das zweite dem dritten: „Umkehr" „Abkehr" ist also gleich „Vertrauen"; d. h. es bedeutet die Abwendung von allem Irdischen, was vertrauenswert erscheinen mag, und die Hinwendung zu Gott In dem besonderen Falle, von dem die Rede ist, die Abkehr von Bündnisplänen, von der Hoffnung auf ägyptische Kavallerie, von Weltmachtträumen. Aber das alles ist nur eine Seite. Wenn man Jesaia kennt, so weiß man, daß jede Art nach außen gezogen zu sein, der grobe Materialismus in Sinnesweise und Lebensführung, die Putzsucht und Koketterie der Frauen, die Gewinnsucht und die wüsten Gelage der Männer — eine Veräußerlichung des Seins, die für das Gefühl des Propheten in einem ganz bestimmten, von ihm als „frech" empfundenen Gesichtsausdruck hervortritt — daß es alles dies ist, wovon es einer „Umkehr" bedarf. Wer diese Umkehr vollzieht oder besser gesagt, wer sie erlebt, der spürt überall die ihn niederschmetternde und zugleich erhebende Wirklichkeit Gottes. Er spürt geradezu leibhaftig, körperlich den „Glanz der Augen" Gottes auf sich gerichtet Unter diesem Blick aber sinkt 399

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