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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 391

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
[Rezension]
Date
1925-08-01
Page
391 (sequence 3)
Language
German
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Besprechungen hineingestellt als ein Faktor, den diese zentralistische Politik mit Bewußtsein auswertete, als ein Instrument, das sowohl politisch als wirtschaftlich und finanziell verwendet werden konnte. Der Große Kurfürst war der Zuwanderung der Juden geneigt, nicht so sehr aus Gründen der Toleranz und Bevölkerungspolitik als aus Gründen finanzieller Natur und aus handelspolitischen Erwägungen. Er sah in dem Judenregal eine Steuerquelle, die ihm unmittelbar zur Verfügung stand, frei oder frei zu machen von der Einwirkung der Stände, des Adels und der städtischen Magistrate, und betrachtete die Zurückgewinnung und Festhaltung dieser Rechtsposition als Ausdruck und Mittel des sich konsolidierenden Einheitsstaates. Daß es keine den Dingen Gewalt antuende Konstruktion ist, wenn man die Erledigung der Judenfrage im Reich des Großen Kurfürsten unter dem Gesichtswinkel der sich gegen die Stände stabilisierenden fürstlichen Souveränität sieht, wird aus der Darstellung Selma Sterns zur Genüge klar, die die von Provinz zu Provinz verschiedenen und in der Provinz selbst jäh umschlagende Konstellation in diesem Prozeß ins rechte Licht rückt. Das bewußte Streben nach der Loslösung der Juden aus dem Anspruchbereich der Stände machte sich auch darin geltend, daß die Aufsicht und Jurisdiktion über die Juden — soweit sie ihnen nicht selbst verblieb — allmählich den ständischen Behörden entzogen und den staatlichen, zentralistischen, mit dem Hof in direkter Verbindung stehenden Organen zugewiesen wurde. Die politische Erstarkung des Einheitsstaates setzte aber die wirtschaftliche, ihm Geld- und Machtmittel zuführende voraus — und so ist das wirtschafts- und handelspolitische Moment denn auch ausschlaggebend für die Heranziehung der Juden und die Begünstigung ausländischen jüdischen Handels gewesen. Als Sturmbock in der Hand des weitausschauenden Herrschers wurden sie, die geborenen Vertreter des Freihandelsprinzips, gegen die noch mittelalterlich gebundene Wirtschaftswelt seines Staates angesetzt, mitbenutzt zur Heraufbringung der Geldwirtschaft, zur wirtschaftlichen Verbindung der Provinzen, zur Steigerung des Handelsverkehrs in den an das Meer grenzenden Provinzen und nicht zuletzt zur Belebung der durch sie erst Bedeutung bekommenen Frankfurter Messe. Wie die Juden die Hoffnungen erfüllten, die der Staat an ihr Hereindringen geknüpft hatte, wuchsen und vermehrten sich ihre Siedlungen und schritten auch unter dem Nachfolger des Großen Kurfürsten rasch vorwärts. Erst nachdem unter ihm durch den Sturz des Ministers von Dankelmann ein allgemeiner politischer Systemwechsel eingetrelen war, ergab sich eine Herabminderung in ihrem Verhältnis zum Staate dadurch, daß, als Folge der erhöhten Geldbedürftigkeit des Fürsten und seines Staates, das rein fiskalische Moment immer nackter und unbarmherziger in den Vordergrund trat. Dies wiederum halte eine immer schärfere Zentralisierung des Judenwesens, die Unterstellung unter die Judenkommission und auch die zunehmende Einmischung des Staates in das innere Leben der Gemeinden zur Folge. Besondere Formen des jüdischen Handelsbetriebes, das Hausieren und das Aufkaufen und Exportieren der Rohprodukte, fanden jetzt immer mehr den Widerspruch . des zum Merkantilstaat sich ausbildenden Stadt-begünstigenden Staatswesens, aber auch hier wiederum gab das fiskalische Geld benötigende Interesse die eindämmende Regulierung. Es ist sehr bedeutsam und meines Erachtens in der Beweisführung durchaus schlüssig, daß Selma Stern für den werdenden preußischen Staat die bestechende These von Sombart abweist, daß die wirtschaftliche Blüte eines Landes mit dem Aufkommen der Juden innerlichst verknüpft sei. Um so wirkungsvoller erscheint es dagegen, wenn sie eine andere These von Sombart, daß nämlich die Juden an dem Handel mit Luxus- und Massenartikeln ausschlaggebend beteiligt waren für das von ihr behandelte Gebiet aktenmäßig belegen kann. Selma Stern läßt mit Recht erkennen, daß der kommerzielle Erfolg der Juden, wie er sich in ganz überraschenden Zahlen ausdrückt, auf dem Freisein von Bindungen an Zunft und Korporation beruht, auf der dadurch gegebenen Möglichkeit der Preisregulierung und vor allem auf dem Verkehrzusammenhang der Juden, die der damalige Staat als einen Aktivposten für sich in Rechnung zu stellen wußte. Erst auf diesem Grunde konnten jene Kapitalfürsten erwachsen, in denen die kommerzielle und finanzielle Macht der Juden jn den einzelnen Provinzen kulminiert, jene Handelsherrn und Hof juden, an deren Zeichnungen sich Selma Sterns be- 391

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