Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Jüdisch-Deutsch und Jüdisch-Spanisch
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 386 (sequence 17)
- Language
- German
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F. Perles wunderung erregen muß. Bedauerlicherweise hat die Wissenschaft gerade diesen Teil des jüdischen Schrifttums stark vernachlässigt, da die dazu nötige eindringende Kenntnis der beiden Sprachen nur selten zu finden ist Kayserling hat 1859 in seinem Werke „Sephardim" die poetische Literatur dargestellt und 1888 eine Bibliographie des gesamten Schrifttums veröffentlicht, dessen Geschichte er in der Einleitung in wenigen Strichen skizziert Wichtige Textproben mit philologischen Noten bietet die 1896 erschienene „Jüdisch-Spanische Chrestomathie" von Max Grünbaum, die aber nur die gedruckt vorliegende Litteratur berücksichtigt Während das jüdisch-deutsche Schrifttum bis ins 19. Jahrhundert nur der religiösen Erbauung oder der Unterhaltung dienende Werke aufzuweisen hat, haben die Sephardim Amsterdams eine wissenschaftliche und schöne Literatur geschaffen, die in jeder Beziehung auf der Höhe steht Auch in ihrer vornehmen äußeren Ausstattung legt sie Zeugnis von der Kulturhöhe ihrer Schöpfer ab. Besondere Hervorhebung verdient die Tatsache, daß die Epen und Dramen der Amsterdamer Dichter auch in den beiden Mutterländern Verbreitung und Anerkennung fanden. Die exegetischen, sprachwissenschaftlichen, philosophischen, historischen und apologetischen Schriften, die zum großen Teil noch in Handschriften schlummern, sind ein Ehrendenkmal für das wissenschaftliche Streben ihrer Verfasser und geben ein Bild von dem geistigen Milieu, aus dem ein Spinoza hervorgehen sollte. Eines der interessantesten Dokumente des jüdisch-portugiesischen Schrifttums ist die Festschrift zur Einweihung der Amsterdamer Synagoge im Jahre 1675. Dieselbe enthält eine kurze Geschichte und Beschreibung des Baues mit Abbildungen und bietet dann die sieben Predigten, die bei jener Gelegenheit von sieben verschiedenen Rabbinern Amsterdams gehalten wurden. Jeder Predigt ist wieder eine lange Widmung an die Gemeindevorsteher und sonstigen verdienten Männer der Amsterdamer Gemeinde vorangeschickt Wir finden darunter Namen wie Ximenez, Curiel, Pinto, Espinoza, Pereyra und Yshac Orobio de Gastro, der alle hohen Würden, die er als Professor der Philosophie und Medizin an spanischen und französischen Hochschulen bekleidet hatte, aufgab, um sich in Amsterdam offen zur Religion der Väter bekennen zu dürfen. Während die geistige Blüte der Amsterdamer Gemeinde sich durch fast zwei Jahrhunderte erhielt und ein Abglanz davon auch auf die Gemeinden in London und Hamburg fiel, haben die Sephardin in Marokko und in der Türkei sich auf keine so hohe Bildungsstufe emporschwingen können. Doch die 386