Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Jüdisch-Deutsch und Jüdisch-Spanisch
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 385 (sequence 16)
- Language
- German
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Jüdisch-Deutsch und Jüdisch-Spanisch ihr die stolze Vornehmheit der selbstbewußten Sephardim zum Ausdruck, die den Aschkenasim bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts tatsächlich weit uberlegen waren. An der Entstehung dieser Literatur haben die Marannen hervorragenden Anteil, sowohl als Autoren wie als Lesepublikum. Die ältesten Werke sind genau wie beim Jüdisch-Deutschen Übersetzungen der Bibel und des Gebetbuches ins Spanische. Die älteste Pentateuchübersetzung erschien i547 in Konstantinopel und ist in hebräischen Typen gedruckt Während im Orient die jüdisch-spanischen Bücher bis heute durchgehend in hebräischen Typen erscheinen, sind dieselben in Italien, Holland und England gewöhnlich in lateinischen bezw. gotischen Typen gedruckt Dieser Unterschied ist sehr bemerkenswert, denn es zeigt sich darin die Absicht, die Schriften auch den noch in Spanien und Portugal lebenden Marannen, die nicht mehr des Hebräischen kundig waren, zugänglich zu machen. So erschien i553 in Ferrara eine sprnische Übersetzung des Gebetbuchs für Neujahr und Versöhnungstag. In derselben sind einige der wichtigsten Gebetsstellen, wie der Anfang des Schema und die Keduscha, auch hebräisch gegeben, aber nicht etwa in hebräischen, sondern in gotischen Typen, was darauf hinzuweisen scheint, daß das Buch auch für Marannen bestimmt war. Von diesem Gebetbuch haben sich nur wenig Exemplare in die Gegenwart gerettet, von denen eines sich in meinem Besitze befindet Das älteste jüdisch-portugiesische Werk ist keine Übersetzung, sondern ein Originalwerk von Samuel Usque, das i552 auch in Ferrara erschien und eine Darstellung aller Leiden und Verfolgungen der Juden enthält Der Verfasser will dadurch die Marannen zum Ausharren im Glauben der Väter ermutigen. Auch von diesem Werke, dessen Verbreitung damals-die Inquisition verhinderte, sind nur wenige Exemplare erhalten. Im Jahre 1907 hat es Mendes dos Remedios, ein christlicher Gelehrter in Goimbra, als Denkmal der alten portugiesischen Sprache und Literatur mit diplomatischer Genauigkeit abgedruckt Bezeichnend für die Bildungsstufe der Marannen ist die Tatsache, daß Salomo Usque, ein Verwandter des gen. Samuel Usque, 1567 in Venedig eine spanische Übersetzung der Dichtungen von Petrarca veröffentlichte. Dieselbe ist dem Herzog Alexander Farnese von Parma gewidmet Ihre eigentliche Blütezeit erlebte die jüdisch-spanische und jüdisch-portugisische Literatur in Amsterdam im 17. Jahrhundert Durch die Verbindung jüdischer Gelehrsamkeit mit allgemeiner Bildung entstand dort ein umfangreiches Schrifttum, das durch seine Vielseitigkeit und Tiefe noch heute Be- 385