Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Jüdisch-Deutsch und Jüdisch-Spanisch
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 384 (sequence 15)
- Language
- German
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F. Perles Geheimen am Judentum festhielten. Unzahlige von ihnen büßten diese Treue gegen die Religion der Väter auf dem Scheiterhaufen der spanischen und portugiesischen Inquisition, doch vielen gelang es, allen Spionen zum Trotz, sich unangefochten oft in den höchsten Stellungen zu behaupten, bis es ihnen möglich war, die Pyrenäische Halbinsel zu verlassen und in einem anderen Lande sich offen zum Judentum zu bekennen. Schon während des ganzen 16. Jahrhunderts kamen einzelne Marannen nach Marokko, Italien und der Türkei und traten sofort in den Kreis der dortigen Juden ein, andere suchten Zuflucht in der Neuen Welt, doch eine größere Auswanderung erfolgte erst seit dem Ende des 16. Jahrhunderts. Nachdem die Niederlande im Namen der Religionsfreiheit sich vom spanischen Joch losgerissen hatten, ließen sich seit 1690 zahlreiche angesehene, gebildete und begüterte Marannen in Amsterdam nieder, traten dort in aller Form zum Judentum über und bildeten bald eine blühende Gemeinde mit mehreren Synagogen und einer Schule, der unter anderen Manasse ben Israel und Spinoza ihre jüdische Bildung verdankten. In jener Zeit wurde Amsterdam für mehr als ein Jahrhundert der geistige Mittelpunkt des gesamten Judentums, und als 1675 die große noch heute dem sephardischen Ritus dienende Synagoge eingeweiht wurde, richteten sich die Augen der Juden aus allen Ländern ehrfurchtsvoll dorthin. Von Amsterdam aus wurde auch die Wiederzulassung der Juden in England erwirkt, wo seit 1290 kein Jude mehr gelebt hatte. Nach der englischen Revolution von 1649 wandte sich nämlich Manasse ben Israel mit einer Bittschrift an das englische Parlament, man möchte die Ansiedlung von Marannen im Lande gestatten. Cromwell unterstützte persönlich diese Bittschrift, und seit 1657 durften sich einzelne Marannen in London niederlassen. Bald folgte ihnen eine größere Anzahl, sodaß die dortige Gemeinde um 1670 schon mehrere 100 Familien zählte. Schon früher als in England hatten sich marannische Familien in Hamburg niedergelassen, wo ihnen seit 1612 die Ansiedlung gestattet war und bald auch eine große Gemeinde sich bildete. In London wie in Hamburg bestehen noch heute die sephardischen Gemeinden, und bis ins vorige Jahrhundert pflegten sie unter sich das Spanische, bezw. Portugiesische als Umgangssprache. In all den genannten Ländern schufen die Juden in diesen beiden Sprachen auch eine reiche zum Teil noch ungedruckte religiöse, wissenschaftliche und poetische Literatur, mit der sich die jüdisch-deutsche nach Form und Inhalt nicht messen kann. Auf diesem Schrifttum ruht gleichsam noch ein Abglanz der alten arabisch-spanischen Zeit, und es kommt in 384