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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 380

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Jüdisch-Deutsch und Jüdisch-Spanisch
Date
1925-08-01
Page
380 (sequence 11)
Language
German
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F. Perles die deutsche Kulturgemeinschaft noch vor ihrer gesellschaftlichen und politischen Gleichstellung. In den Kreisen der Aufklarer wurde das Jüdisch- Deutsche mit geradezu wildem Haß bekämpft; selbst Mendelsohn erblickte in ihm ein häßliches Kauderwelsch, das die Juden in den Augen der Christen verächtlich mache und dar am ein Hindernis der Emanzipation bilde. In dieser Sturm- und Drangperiode des deutschen Judentums, das in einem schweren Kampfe um seine Menschen- und Bürgerrechte stand, hatte man noch nicht die nötige Distanz zum Jüdisch-Deutschen, um seine geschichtliche Bedeutung zu verstehen, und so erstand ihm damals kein Verteidiger, ja man suchte jede Erinnerung daran zu verwischen. Die Folge davon war, daß innerhalb Deutschlands wenige Jahrzehnte nach Mendelssohns Tode das Jüdisch-Deutsche wie in der Versenkung verschwunden war, und die Juden in ihrer Sprache sich nicht mehr von ihrer nichtjüdischen Umgebung unterschieden. Was sie dabei gewannen, bildet ein Hauptstück der jüdischen Geschichte des letzten Jahrhunderts. Was sie aber einbüßten, beginnt man erst in unseren Tagen einzusehen. Sie verloren nämlich dadurch die Fühlung mit den Millionen ihrer Glaubensbrüder, die in Osteuropa am Jüdisch- Deatschen festhielten, sodaß bis vor Kurzem deutsche Juden und Ostjuden als zwei kulturell streng geschiedene Gruppen sich meist völlig verständnislos gegenüberstanden. Daß beide Gruppen großen Schaden davon hatten, wird allmählich immer weiteren Kreisen klar. Das letzte Jahrhundert sah im Osten ein durch verschiedene Umstände begünstigtes Aufblühen der jüdisch-deutschen Literatur. Da das Russische und Polnische nur von einer ganz dünnen Oberschicht der dortigen Juden gesprochen wurde, und die russische Regierung den meisten Juden systematisch den Zugang zu den Schulen verschloß, kam als Bildungsquelle für die Massen neben dem Hebräischen nur das Jüdisch-Deutsche in Betracht In dieser Sprache entstand nun seit mehr als zwei Menschenaltern ein reiches und vielseitiges Schrifttum, das zunächst dem Bildungsbedürfnis des Volkes diente, aber mit der Zeit sich ganz selbständig entwickelte. Lehrbücher aller Wissensfächer, Grammatiken aller Sprachen und Übersetzungen von Werken der schönen und wissenschaftlichen Litteratur bildeten den Grundstock einer jüdischen Volksbibliothek, zu dem bald eine reiche periodische Literatur sowie Originalwerke zum Teil hochbegabter Dichter und Schriftsteller traten. Aus ihrer Zahl seien hier nur Abramowitsch (Mendele Mocher Seforim), Perez und Schalom Rabbinowitsc h (Schalom Alechem) genannt 380

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