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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 379

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Jüdisch-Deutsch und Jüdisch-Spanisch
Date
1925-08-01
Page
379 (sequence 10)
Language
German
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Jüdisch-Deutsch und Jüdisch-Spanisch Gleichnisse der Haggada vortragen. Das bekannteste Werk dieser Art, das unzahlige Male aufgelegt wurde und bis ins 18. Jahrhundert in keinem jüdischen Hause fehlte, ist unter dem Namen ze'ena ure'ena bekannt, in gewöhnlicher Aussprache zenne-renne.1) Neben dieser der religiösen Erbauung und Belehrung gewidmeten Literatur gab es aber auch eine reiche Unterhaltungsliteratur, die durchaus weltlicher Natur war, so weltlich, daß die Rabbiner ihre warnende Stimme erhoben und als Gegengewicht den Frauen und Mädchen die erwähnten frommen Schriften zur Lektüre empfahlen. Jene weltlichen Dichtungen sind samt und sonders nichtjüdischen Ursprunges z. B. König Artur, Dietrich von Bern und sonstige Rittersagen, die sich in der jüdisch-deutschen Form teilweise bis in die Gegenwart erhalten haben. In vielen Fällen haben die Juden diese Werke der deutschen Volksdichtung unverändert übernommen, und außer der hebräischen Schrift ist nichts jüdisches an ihnen. In andern Fällen haben sie ausgesprochen christliche Stellen ausgemerzt und durch entsprechende jüdische ersetzt, manchmal allerdings auch durch Umarbeitung ein ganz neues Werk geschaffen. Außer den erwähnten epischen Dichtungen haben die Juden auch viele Volkserzählungen, Legenden und namentlich auch eine Reihe von Volksliedern aus der alten deutschen Literatur übernommen und zum Teil bis auf den heutigen Tag in Polen erhalten. Bezeichnenderweise ist die reiche polnische Volksliteratur ohne jeden Einfluß auf die Juden geblieben, die dort nichts ihnen kongeniales fanden. Die Quellen ihrer Literatur sind vielmehr ausschließlich hebräisch oder deutsch. An originalen Werken ist das jüdisch-deutsche Schrifttum sowohl in Deutschland als auch in Polen bis ins 19. Jahrhundert recht arm. War doch die soziale Lage der Juden nicht dazu angetan, die literarische Schöpferkraft zu befruchten. Erwähnung verdient Glückel von Hameln, deren 1691 bis 1719 niedergeschriebene Denkwürdigkeiten namentlich für die Sittengeschichte und Wirtschaftsgeschichte Bedeutung haben und schon zweimal ins Hochdeutsche übersetzt wurden. Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts begannen die Juden Deutschlands unter der Einwirkung von Moses Mendelssohn und seinen Schülern das Jüdisch-Deutsche allmählich aufzugeben und mit der hochdeutschen Schriftsprache zu vertauschen. Es war das gleichsam das Symbol für ihren Eintritt in x) Die Bezeichnung stammt aus demi Hohen Liede 3, n, da der Verleger diesen Vers auf das Titelblatt gedruckt hatte. 379 24*

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