Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Jüdisch-Deutsch und Jüdisch-Spanisch
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 373 (sequence 4)
- Language
- German
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Jüdisch-Deutsch und Jüdisch-Spanisch Könige Don Pedro L gewidmetes Werk, die Proverbios Morales. Dasselbe unterscheidet sich sprachlich absolut nicht von den zeitgenössischen christlichen Diebtungen, wie denn auch sonst eine besondere jüdisch-spanische Sprache nicht existierte, solange die Jaden in Spanien lebten. Ganz das Gleiche gilt vom Portugiesischen, das übrigens auch nach der Vertreibung aus dem Mutterlande sich völlig unverändert im Munde der Juden erhalten hat Viel früher noch als das Spanische und Portugiesische ist das Deutsche von Juden gesprochen worden, und zwar sind es die verschiedenen Dialekte des Mittelhochdeutschen, denen wir seit dem 11. Jahrhundert bei ihnen begegnen. Natürlich bedienten sich die Juden, die seit dem 4- Jahrhundert am Rhein ansässig waren, schon vorher der deutschen Sprache; so erscheint schon in einer Urkunde aus dem Jahre 568 ein Jude mit dem deutschen Namen; Sigerich, und ein arabischer Schriftsteller, der um 85o die Reiserouten jüdischer Kaufleute beschreibt, erwähnt, daß dieselben unter anderm auch romanisch und fränkisch sprechen, d. h. altfranzösisch und altdeutsch. Doch erst in den Kommentaren des Mainzer Rabbiners Gerschom ben Jehuda (960—io4o) finden wir deutsche Glossen, die seitdem nicht mehr aus den auf deutschem Boden verfaßten hebräischen Schriften verschwinden. Auch hier zeigt sich ganz wie beim Spanischen nicht der geringste Unterschied zwischen der Sprache der Christen und der Juden. Man kann daher in jener Zeit auch noch nicht von einer jüdisch-deutschen Sprache sprechen, und Suezkint von Trimberg, der jüdische Minnesänger aus dem Anfang des i3. Jahrhunderts, dessen Dichtungen in der Manesseschen Liederhandschrift erhalten sind, „verrät weder in Sprache noch in Ausdruck den Juden".1) Erst nach der Auswanderung aus Deutschland entwickelte sich bei den Juden in Polen ein eigener Dialekt, der als Jüdisch-Deutsch bezeichnet werden kann. Nur mit diesen beiden außerhalb des betreffenden Mutterlandes gesprochenen jüdischen Dialekten wollen wir uns im folgenden beschäftigen, indem wir ihre Entstehung und Verbreitung, ihren Sprachcharakter und ihre Literatur näher betrachten, und zwar wollen wir das JüdischrDeutsche vor dem Jüdisch-Spanischen behandeln, nicht nur weil es uns in jeder Beziehung näher liegt, sondern auch deswegen, weil es der ältere Dialekt ist Wie schon erwähnt, waren die Juden seit Beginn der Kreuzzüge andauernd grausamen Verfolgungen und Bedrückungen ausgesetzt, sodaß ihr Leben und *) Von der Hagen, Minnesinger Bd.IV., Leipzig i838, S. 538b. 373