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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 372

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Jüdisch-Deutsch und Jüdisch-Spanisch
Date
1925-08-01
Page
372 (sequence 3)
Language
German
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F. Perles zunächsi noch nicht zu ihren Ungunsten. Doch allmählich begann anch dort die in andern Ländern schon früher übliche Bedrückung und Entrechtung, bis i3()i die erste blutige Verfolgung ausbrach, der dann bald andere folgten, bis 1492 die vollständige Vertreibung aus Spanien und 1^97 aus Portugal stattfand. In Deutschland dagegen setzten die Judenverfolgungen schon drei Jahrhundertc früher ein. Während die Lage der Juden in Deutschland bis zum Ende des 11. Jahrhunderts nicht ungünstig war, begann für sie mit dem ersten Kreuzzuge 1096 ein Martyrium, das an Umfang und Dauer in der ganzen Geschichte nicht seines gleichen hat Die wahnsinnigen Beschuldigungen des Ritualmordes, der Hostienschändung und der Brunnenvergiftung waren die Vorwände, unter denen blinder Glaubenshaß und wilde Raubgier sich vereinten, um ungezählte tausende von Juden hinzumorden und die Überlebenden dem tiefsten Elend preiszugeben oder völlig auszutreiben. So erfolgte eine durch mehrere Jahrhunderte fortgesetzte Massenauswanderung nach Polen, die ihren Höhepunkt in der Mitte des i4- Jahrhunderts erreichte. Damals wütete in den Jahren i348/5o der schwarze Tod in Deutschland, und ganze blühende Judengemeinden wurden vernichtet, da man die Schuld am Ausbruch der Seuche den Juden zuschrieb, die die Brunnen vergiftet hätten. In einem großen Teile Deutschlands gab es damals überhaupt keine Juden mehr. Ja man muß staunen, daß in einzelnen Gebieten immer noch Juden verblieben, doch die Erklärung liegt wohl in dem Zustrom von französischen Juden, die seit dem 12. Jahrhundert aus ihrem Lande vertrieben und je nach dem Geldbedürfnis der Könige zurückgerufen und wieder vertrieben wurden, und die sich wenigstens zum Teil immer nach Deutschland wandten. Wir haben bisher bloß von den Schicksalen der spanischen und deutschen Juden gesprochen. Nunmehr können wir uns auch ihrer Sprache zuwenden. In Spanien sprachen sie unter mohammedanischer Herrschaft gleich ihren maurischen Landsleuten arabisch, und die reiche jüdisch-arabische Literatur ist bis heute ein Denkmal jener entschwundenen Kulturperiode. Doch nachdem die christlichen Königreiche Nordspaniens immer weiter nach Süden vordrangen, nahmen die Juden das Spanische oder, genauer gesagt, das Altkasüliscbe an, das schon vor der Einigung Spaniens unter den verschiedenen Dialekten als Literatursprache und Sprache der Gebildeten sich durchgesetzt hatte. An der im i3. Jahrhundert entstandenen, von christlicher Seite unternommenen ältesten spanischen Bibelübersetzung haben jüdische Gelehrte mitgearbeitet, und im folgenden Jahrhundert dichtete um i36o Santob de Carrion sein dem 372

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