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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 371

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Jüdisch-Deutsch und Jüdisch-Spanisch
Date
1925-08-01
Page
371 (sequence 2)
Language
German
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F. Perles: Jüdisch-Deutsch und Jüdisch-Spanisch Deutschland und in Frankreich unter christlicher Herrschaft Nicht als ob gerade nur in diesen Ländern Juden gelebt hätten, — es gab namentlich in Italien zahlreiche jüdische Gemeinden mit einem reichen Geistesleben. Doch von bestimmendem Einfluß auf die Juden anderer Länder waren nur die genannten zwei Gruppen. Die Trennung dieser Gruppen erklärt sich aus der verschiedenen Kultur der betreffenden Länder. Während die Mauren in Spanien seit dem 10. Jahrhundert eine hohe Blüte nationaler Kultur geschaffen hatten und auch die Juden als Nehmende und Gebende daran ihren Anteil hatten, waren Deutschland und Frankreich noch nicht auf die gleiche Höhe gelangt, und die dort lebenden Juden konnten sich darum auch kulturell nicht mit ihren spanischen Glaubensbrüdern messen. Während diese Philosophie, Mathematik, Astronomie, Medizin, Sprachwissenschaft und daneben auch die schöne Literatur eifrig pflegten und so zu einer harmonischen Bildung gelangten, beschränkten sich die deutschen und die ihnen kulturell nahestehenden französischen Juden, der Not gehorchend, einseitig auf das Studium ihres eigenen religiösen Schrifttums. Diese intensive Beschäftigung mit Bibel und Talmud erzeugte unter ihnen eine tiefe Frömmigkeit und Gemütsinnigkeit, die reichen Ersatz für die Enge ihres Gesichtskreises bot Jede dieser beiden Gruppen wirkte richtunggebend weit über die Grenzen des eigenen Landes hinaus, und so wurden bald alle Juden direkt oder indirekt die Schüler der einen oder der anderen Gruppe, sodaß spanisch (sephardisch) und deutsch (aschkenasisch) nicht mehr geograpliische und politische sondern kulturelle Begriffe wurden. Dieser kulturelle Unterschied trat sogar beim Gottesdienst in die Erscheinung, indem sich ein besonderer spanischer und deutscher Ritus herausbildete, die besonders in ihren synagogalen Poesien einen Gradmesser für die Geisteshöhe jeder Gruppe enthalten. Die verschiedene Aussprache des Hebräischen trug noch das Ihrige dazu bei, die Trennung zu verewigen. Noch unendlich vertieft wurde die schon bestehende Trennung durch die Verschiedenheit der sozialen Lage, in der sich beide Gruppen befanden. Die Juden im maurischen Spanien lebten nicht nur geduldet, sondern geachtet und gleichberechtigt unter ihren mohammedanischen Landsleuten. Ihr Wohlstand wuchs mit dem zunehmenden Reichtum des Landes, und so finden wir unter ihnen Vertreter aller Berufe und Stände, vom einfachen Handwerker bis zum Leibarzt und Minister des Chalifen. Auch nachdem ein Teil des maurischen Spanien wieder christlich geworden war* änderte sich die Lage der Juden 371

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