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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 351

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-08-01
Page
351 (sequence 4)
Language
German
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Einführungen in das erste Buch Mose als einem Jahrtausend in Einem Bande in der Tasche tragen. Nicht nur die Bedeutung einzelner Worte ist uns unbekannt, sondern es fehlt uns auch noch sehr oft das Verständnis für die Feinheiten der Sprache. Unsere Übersetzungen! sind daher nur ein Notbehelf. Das ist ein Mangel, aber doch auch ein Reiz. Denn eine Vertiefung in den Urtext, die auch auf die leisesten Andeutungen! achtet, kann täglich durch neue Erkenntnisse, durch überraschende Beobachtungen und Entdeckungen belohnt werden, und sie brauchen keineswegs dem „Fachgelehrten" vorbehalten zu bleiben. Will man daher die Bibel auch in den Einzelheiten verstehen — und nur das heißt wirklich verstehen — so darf man sich nicht mit einer Übersetzung zufrieden geben. Das Judentum hat dies auch nie getan. Es hat sich immer an das Original gehalten, und wichtiger als die Übersetzung war ihm die Erläuterung, der Kommentar, der die Schwierigkeiten wenigstens darlegt und zu ihrer Auflösung anleitet Zum Glück sind die sprachlichen Anstöße bei der Thora, diesem Grundwerk, am geringsten. Sie ist in dieser Beziehung, auch infolge ihrer vorzüglichen! Erhaltung, das lesbarste Buch, während wir bei andern, z. B. den Propheten, unzählige Male völlig ratlos sind. Es leuchtet aber wohl ein, daß das Verr sländnis oder Mißverständnis eines einzigen Wortes von entscheidender Bedeutung sein kann. Auch das ist eine Ursache der vielen Meinungsverschiedenheiten auf dem Gebiet der Bibelerklärung. So viel dürfte klar sein, daß Gott Kain belehren und warnen will. Elf sieht aus dem Neid den Haß aufsteigen, anstatt daß Kain den Bruder jetzt nur noch mehr hätte lieben müssen. Das ist der edle Kämpfer, der den siegreichen Mitkämpfer beglückwünscht Kain hätte nichts bei Gott, der die Gabe nicht verlangt hat, verloren, wenn er das Opfer unterlassen hätte. Nur gut braucht er zu sein, das würde ihn erheben bei Gott, vor sich selbst, vor dem Bruder, vor dem er schon den irdischen Vorrang der Erstgeburt hat und der ihm willig folgt 2. Aber Kain sinnt darauf, den Bruder aus dem Wege zu räumen. Man! könnt ein ausdrückliches Verbot des Mordes vermissen, so wie Adam und Eva vor ihrer Übertretung gewarnt worden waren. Woher sollte Kain wissen, daß! man nicht morden darf? Das Schweigen beweist, daß es der Schrift selbstverständlich ist Die soziale Moral bedarf keiner Begründung. Erstlich, weil sie sich schon aus der Gegenseitigkeit empfiehlt Ich darf nicht morden, ehebrechen, stehlen, weil ich nicht will, daß mir dasselbe geschehe. Sodana aber gehört bereits zur eigentlichen Natur des Menschen als eines sittlichen! 351

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