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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 350

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-08-01
Page
350 (sequence 3)
Language
German
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B. Jacob einander. Der Israelit war zu allen Zeiten zugleich Landmann und Viehhalter,, und zwar hat die Führung in der Wirtschaft der Landbau. Der Gegensatz zu beiden ist der Jäger und Räuber. Man kann mehrere Gründe anführen: das Opfer Kains war unangebracht, so lange noch der Fluch auf dem Acker ruhte. Wie hätte Gott die Fracht segnen können, nachdem er den Boden um Adams willen verflacht hatte I Das Opfer war verfrüht und verfehlt Kain kann die Zeit nicht abwarten, bis der Fluch von der Erde genommen sein wird. Nichts ist empfindlicher als das Gottliche, und aach der fromme Eifer schadet nur, wenn er nicht mit Demut und Besonnenheit gepaart ist So finden in der späteren Geschichte die beiden Sohne Aarons den Tod im Heiligtum, als sie enthusiastisch aber in unbesonnener Verkennung des Heiligen „fremdes Feuer" liineingebracht haben. Oder es war dem Kain mit dem Opfer selbst nicht ernst Er brachte „von deii Frucht des Bodens" d. h. das Erste Beste, Abel aber „von den Erstlingen seiner Schafe und ihren ausgesuchten Stücken", das Erste, das Beste. Ausschlaggebend aber ist das spätere Verhalten Kains. Dies zeigt, wie es in seinem Herzen aussah. Wen der Dienst Gottes nicht besser sondern schlechter macht, kann nicht mit reinem Sinn dazu herangetreten sein. Was kann ein Gottesdienst wert sein, mit dem die Menschen Gott näher kommen wollen aber selber auseinander kommen? „Und Gott sprach zu Kain: Warum bist du verdrossen und blickest finster? Wohlan, wenn du gut bist, ist Erhebung, wenn du aber nicht gut bist......nach dir ist sein Verlangen, du aber sollst über ihn herrschen." Die (drei) ausgelassenen Worte können wir leider nicht erklären, und es ist bei dieser Gelegenheit eine allgemeine Bemerkung am Platze. Jedes Schriftwerk, das den ersten Lesern noch völlig verständlich war, kann bereits in kurzer Zeit, geschweige denn nach Jahrhunderten, Dunkelheiten; enthalten. Beziehungen, die zu ihrer Zeit bekannt waren, sind verloren gegangen, Sitten und Lebensverhältnisse haben sich geändert, Anspielungen werden nicht mehr verstanden. Bei der Bibel kommt noch ein Anderes hinzu: ihr Hebräisch ist seit mehr als zwei Jahrtausenden eine tote Sprache. Wir erschließen uns den Zugang zu ihr durch das überlieferte Verständnis, das im Judentum nie abriß, durch die in früher Zeit gemachten Übersetzungen in andere uns bekannte Sprachen wie das Griechische und Aramäische und durch die Vergleichung mit den verwandten semitischen Sprachen. Aber es gibt sehr viele Fälle, wo alles dies nicht ausreicht Der Umfang der biblischen Literatur ist sehr gering. Kann man doch das gesamte Schrifttum aus mehr 350

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