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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 349

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-08-01
Page
349 (sequence 2)
Language
German
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B. Jacob: Einführungen in das erste Buch Mose sozialen Nahe des Verletzten. Der Nächste ist der Bruder, und das höchste Gut ist das Leben, also das entsetzlichste Verbrechen Brudermord. Denn Eltern sind noch mehr als Nächste und Mitmenschen. Auch das ist tiefbedacht, daß der Mord an den Anfang der Menschengeschichte verlegt wird, als außer den Eltern die einzigen Menschen auf der Erde zwei Brüder waren. Der Gemordete, soll damit gelehrt werden, war immer ein Bruder. Mord ist immer Brudermord. Darum spricht Gott nach der Sintflut zu der erneuten Menschheit: von der Hand des Menschen, das heißt von der Hand seines Menschenbruders werde ich das Leben des Menschen fordern! Aber die Zuspitzung liegt nicht bloß in den handelnden Personen und der Tat, sondern auch in der Veranlassung. Warum bringt Kain seinen Bruder um? Kain war ein Ackerbauer, Abel ein Hirt Nach einer gewissen Zeit brachte jeder Gott ein Opfer dar, Kain von den Früchten des Bodens, Abel von den Erstlingen seiner Schafe und ihren Fettstücken. Als aber Gott sich nur dem Abel und seinem Opfer zuwandte, verdroß es Kain; finsteren Blickes geht er einher und trachtet dem Bruder nach dem Leben. Demnach ist es sogleich das höchste Interesse und ein überirdisches Gut, um das der erste Streit unter den Menschen ausbricht: das Wohlgefallen Gottes. Das ist in echt israelitischen Geiste entworfen: Adil ist Gottesnähe, Priesterwürde. Und das wird auch der letzte Streit sein: der Kampf um Gott, die Stellung zu ihm. Vergebens machen sich die Ungläubigen die Hoffnung, daß er einst gegenstandslos sein werde, weil die Welt an keinen Gott mehr glauben werde. Es wiid einen Himmel geben, so lange es eine Erde gibt So ist denn auch die schärfste Form des Streites um den Vortritt, den von mehreren nur einer haben kann, der Streit des Vortrittes bei Gott Ebenso alt ist aber auch, nachdem Gott gewählt hat, die Frage: warum hat er gerade diesen auserwählt? Und wenn man auf Gottes souveränen Willen verweist, so werden wir stets das weitere) Verlangen haben, diesen Willen als gerecht zu begreifen und die Wahl als Würdigkeit anzuerkennen. Das eben ist der Kern des israelitischen Gottes- .glaubens, daß der Allmächtige auch der Allgerechte ist Warum also bevorzugt Gott den Abel und will von dem Opfer Kains nichts wissen? Auf dem Pfade einer irrigen kulturgeschichtlichen Erklärung hat man darin das Vorurteil des hebräischen Erzählers gegen den Ackerbau und für den Hirten und Nomaden sehen wollen. Aber Ackerbau und Viehzucht sind nicht sich ausschließende Gegensätze, sondern gehören notwendig zusammen und ergänzen 349

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