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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 335

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Die Entwicklung des jüdischen Frauentypus seit dem Mittelalter
Date
1925-08-01
Page
335 (sequence 12)
Language
German
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Die Entwicklung des jüdischen Frauentypus seit dem Mittelalter der Regierung. Sie führt endlose Prozesse gegen alle, die sich weigern, ihre Kreaturen zu werden. Sie intrigiert viele Jahre gegen den Bau einer allgemeinen Synagoge in Berlin, um die Gemeinde zum Besuch der eigenen Schule zu zwingen. Trotzalledem aber liegt etwas Großartiges in der Fülle ihrer Tatkraft, ihrer großen Gebefreudigkeit, ihrer Ungeheuern und ungebrochenen Lebensenergie und der klugen Zügelung ihres heißen Temperaments. Unter anderen Verhältnissen, in anderen Zeiten, wäre sie sicher eine Herrscherin ganz großen Stils geworden, wenn sie auch wenig ihrer biblischen Namensschwester verwandt erscheint--- Waren aber dies alles Erscheinungen, die wir auch in der übrigen Frauenwelt finden, so kommt bei der Ghettojüdin ein Einzigartiges hinzu: Sie wird die alleinige Ernährerin und Versorgerin ihres Mannes, des Talmudgelehrten und ihrer talmudgelehrten Söhne. Freilich, auch die alten Germanen ließen ihre Frauen für Feld, Haus und Hof sorgen, während sie selbst Kriege führten, tranken und Würfel spielten. Aber was hier aus Zwang und Furcht geschah, geschah bei der Ghettojüdin aus heiligster Überzeugung. Schon die Wiegenlieder preisen als höchstes Glück für ein Mädchen, zum Manne einen Talmudgelehrten zu erhalten. Sie singen, wie es im Lied von der weißen Ziege heißt, daß die beste Handlung des Kindchens dann beginnt, wenn der Verlobte lernen kann. Und in den Jungmädchenliedern muß der Gatte nicht nur lange schwarze Haare haben, „weich wie Katzenpfötchen", sondern vor allem im Studium der Thora recht begabt sein. Die Frau soll in Züchten und Ehren leben, heißt es im „Schönen Frauenbüchlein", damit sie köstliche Kinder so viel wie Sterne am Himmel bekomme, die Schriftgelehrte sein werden. Dann wird die ganze Welt sagen, gesegnet muß der Leib sein, der das Kind getragen hat Um ihrem Manne und ihren Söhnen dieses heilige, ganz den Studien hingegebene Leben zu ermöglichen, nimmt die Ghettojüdin allein alle Last und alle Beschwerden des Broterwerbes auf sich. Während er „das Joch der Thora und das Joch der Gebote" trägt, trägt sie glücklich und stolz das „Joch des Lebensunterhalts". Fromer erzählt in seinem Buche „Vom Ghetto zur modernen Kultur", daß sein Vater, ein Mann von außergewöhnlicher Frömmigkeit und Gelehrsamkeit, den ganzen Tag im Hause der Chassidim mit dem Studium des 335

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