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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 334

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Die Entwicklung des jüdischen Frauentypus seit dem Mittelalter
Date
1925-08-01
Page
334 (sequence 11)
Language
German
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Selma Stern Und die Berliner Münzjüdin Esther Liebmann, aus der Familie der Prager Schulhoff, die Witwe des Hoffaktors Jsrael Aaron und Gattin des bekannten Hof Juweliers Jost Liebmann, hielt jahrzehntelang die ganze Berliner Gemeinde, ja die Judenschaft ganz Deutschlands in Atem. Jost Liebmann, der aus dem Halberstädtischen stammte, dann einige Zeit in Hildesheim lebte, war i665 in der preußischen Hauptstadt Wardein der Berliner und Krossen'schen Münzstätten, gleichzeitig Hofbankier der Kurfürstin Dorothea, der zweiten Frau des Großen Kurfürsten, geworden. Er fand auch Zeit, die Pacht der Magdeburger städtischen Münze zu übernehmen, um 1674 das typische Schicksal der Münzmeister zu erleiden. Man machte ihm wegen zu geringer Ausprägung der Achtgroschenstücke den Prozeß, der jahrelang die preußischen Beamten beschäftigte. Man erließ ihm schließlich die Strafe, da seine Schuld nie klar zu Tage trat und gab ihm den Abschied. Aber seine Rolle bei Hofe war damit nicht zu Ende. Er wurde vielmehr der Hauptgläubiger des Kurprinzen, der bei seiner Thronbesteigung 52 000 RÜr. Schulden bei ihm hatte und sein geschätztester Juwelenlieferant. Gleichzeitig war er der reichste Handelsmann Norddeutschlands. Er umspannte mit seinen Beziehungen den ganzen preußischen Staat Wir treffen ihn und seine Konsorten in Halberstadt, in Magdeburg, in Brandenburg, in Cleve, in Pommern, in Ostpreußen, aber auch in Mecklenburg, in Hannover, in Hamburg, in Böhmen und in Holland. An allen diesen Unternehmungen war, noch mehr als der Gatte, den sie ständig anstachelte und vorwärtstrieb, Esther Liebmann beteiligt Nach seinem Tode trat sie völlig an seine Stelle. Sie wurde vom preußischen König, der sie schätzte, des öfteren empfangen. Sie lieferte ihm kostbare Juwelen, für deren Bezahlung er ihr die Erlaubnis zur Münzprägung erteilte. Eine geborene Politikerin, klug und diplomatisch und von einem glühenden Ehrgeiz fast verzehrt, steht sie jahrelang an der Spitze einer Clique, die völlig von ihr abhängig ist Sie bildet den Gegenstand des Hasses für den übrigen Teil der Berliner Gemeinde, der sie fürchtet und verfolgt und doch ihrer tyrannischen Art und ihrem harten Willen sich fügt Sie beherrscht ihre Söhne, ihre Schwiegersöhne, ihren Stiefsohn, ihre Freunde. Sie bewirkt für sie Handelskonzessionen und Geleitsbriefe, sie verschafft dem einen das Rabbinat von Halberstadt, dem andern das der Neumark und Hinterpommerns mit weitgehenden Rechten. Sie erreicht für sich selbst Befreiung von der Gerichtsbarkeit der Judenkonimission und Exemtion von allen Verordnungen 334

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