Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Entwicklung des jüdischen Frauentypus seit dem Mittelalter
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 333 (sequence 10)
- Language
- German
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Die Entwicklung des jüdischen Frauentypus seit dem Mittelalter veranstaltet, um Schulden zu bezahlen, wie sie selbst die Leipziger, die Braunschweiger Messen besucht, wie sie in Amsterdam verkauft, in Hamburg einen Laden eröffnet, wie sie mit Edelsteinen handelt, dann wieder mit holländischen, mit englischen, mit deutschen Manufakturen. Sie wäre, berichtet sie, als Kaufmannsfrau in Ansehen gestanden und es wäre ihr leicht gewesen, an der Hamburger Börse Geldkredit bis zu 20 000 Rtlr. zu erhalten.--- Es gab auch jüdische Weberinnen, Stickerinnen, Putzmacherinnen, selbst weibliche Bankiers, die an der Spitze von Handelshäusern standen. Eine Frau, Susanne Wahl, besuchte regelmäßig die Leipziger Messen. Sie wird noch 1729 im Messeverzeichnis als Vertreterin der Familie Oppenheim in Dessau erwähnt Die Frau des bekannten Hoffaktors Moses Benjamin Wolf brachte den wichtigen Kontrakt über die Auflage des Talmud, den ihr Mann in Dessau drucken ließ, zum Abschluß. Sie war ebenfalls eine eifrige Besucherin der Leipziger Messen. In einer Statistik von Frankfurt a. M. werden schon im i5. Jahrhundert vier Judenärztinnen und eine Augenärztin erwähnt. Die bekannte Judenärztin Sara, die 1^19 von Johann IL von Brünn gegen Erlegung einer Steuer die Erlaubnis zur Ausübung ihres Berufes erhielt, verdiente so viel, daß sie laut einer Urkunde alle Güter eines Friedrich von Biedern in Stift und Herzogtum Franken käuflich an sich bringen konnte. Beichel Judel, die Tochter eines Druckereibesitzers in Wilmersdorf bei Nürnberg, die aus der berühmten Druckerfamilie der Gersoniden stammte, arbeitete als Setzerin zuerst in der Druckerei ihres Vaters, dann in einer Sulzbacher Druckerei, später in einem von Hirsch ben Josef Halewi in Fürth errichteten Offizin. Ella, die Tochter eines zum Judentum übergetretenen Nicolsburger Christen, Moses ben Abraham, setzte zusammen mit ihrem Bruder den zu Ende des 17. Jahrhunderts in Frankfurt a. d. O. neu aufgelegten Talmud, während ihre Schwester Gela in Halle a. S. als hebräische Setzerin tätig war. Den gleichen Beruf übte ihre Nichte Bebbeka in Neuwied aus, wo sie gemeinsam mit ihrem Bruder die „Schaagat Arje" betitelte Gutachtensammlung des Krakauer Rabbiners Arje Jehuda Loeb ben Samuel Zewi druckte. Es gab auch Frauen, die zäh und furchtlos Prozesse um das Erbe ihrer Kinder führten, die bis zum Throne ihre Angelegenheiten brachten und selbst vor Fürsten und Ministern nicht zurückschreckten. 333