Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Entwicklung des jüdischen Frauentypus seit dem Mittelalter
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 331 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Entwicklung des jüdischen Frauentypus seit dem Mittelalter für den Ghettojudeii eine Todsünde gewesen. So rechtlos die Stellung der Frau als solche war, als Eheweib war sie des Schutzes, der Liebe, der Güte ihres Mannes gewiß. Immer wieder wurde gelehrt, daß der Mann die Frau ehre mehr als sich selbst, daß diese Ehrung ihm Glück und Segen bringe; „denn die Frau hat er mehr zu ehren als jeden andern Menschen", lautet ein Bescheid des Rabbi Meir Rothenburg. „Bei Nichtjuden trifft man oft eine solche schlechte Behandlung der Frau. Ein Jude sollte dies, Gott bewahre, nicht tun. Wer aber so gefühllos ist, den sollte man in den Bann tun und züchtigen, die Hand sollte man ihm abhauen, wenn er von einer solchen ehrlosen Behandlung der Frau nicht abläßt" „Und will der Mann ein König sein," heißt es in einem Erbauungsbuche, „so soll er sein Weib lassen eine Königin sein. Das Weib ist eine Zierde und Gabe Gottes. Denn Gott hat sie im Paradies geschaffen, den Mann aber draußen." Und wie leuchtend und keusch hat uns die Glückel von Hameln das Bild ihrer Ehe gezeichnet! Ein unerfahrenes, 14 jähriges Mädchen war sie aus dem schönen, reichen Hamburg nach dem öden, gottverlassenen Hameln gekommen, um im Hause der Schwiegereltern zu leben. Diese wackeren, gottesfürchtigen Leute, besonders der schöne, angesehene, edle, alte Schwiegervater, spielen in ihrem Leben zuerst eine größere Rolle als der knabenhafte Gatte. Sie vergißt alle Sehnsucht nach Eltern und Geschwistern, alles Ungewohnte des neuen Lebens, wenn sie am Morgen „um 3 Uhr, während noch die dunkle Winternacht alle Dinge in ihre kalten, grauen Schleier hüllte, in der Wohnstube, die neben ihrer Schlafkammer lag, die Schritte ihres Schwiegervaters hörte", der auf- und abgehend ein frommes Lied vor sich hinsummte. Als sie aber dann mit ihrem Mann nach Hamburg zieht und sie sich ein kleines Häuschen kaufen, wird sie restlos glücklich. Sie findet rührende Worte der Liebe für ihren fleißigen, bescheidenen, demütigen, geduldigen Mann, diesen „Ausbund eines frommen Juden". Er war „ein so lieber, getreuer Vater, wie man wenige findet und er hat seine5 Frau und Kinder über alle Maßen geliebt". Und er hat „von keinem andern einen Rat angenommen und nichts anderes getan, als was wir zusammen besprochen haben." Sie hat alle zwei Jahre ein Kind gehabt und sich sehr gequält mit der großen Schar, die „wie Ölbaumschößlinge um ihren Tisch saßen". Sie 33t 21'