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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 321

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Gestalten der Spätantike
Date
1925-08-01
Page
321 (sequence 12)
Language
German
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IRI
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Gestalten der Spätantike kündend, daß nicht mehr lebendige Probleme, sondern erdachte, aus zweiter Hand geschöpfte das Denken beschäftigen. In einer Stelle seines Kommentars zum ersten Alkibiades setzt er nun auseinander, daß man nicht nur die äußere Vielheit, sondern auch die Vielheit in der Seele fliehen müsse. So verdammt er die heerdenweis auftretenden Menschen, die vielgestaltigen Begierden, die uns zerteilen, die Wahrnehmungen, die Phantasien, die gestaltbildend und geteilt sind und eine unbezwingliche Mannigfaltigkeit mit sich bringen, die bunten, unendlichen, nach außen führenden Meinungen. Kurz, alle diese geteilten und vielfachen Lebensformen sollen wir fliehen und uns der Erkenntnis zuwenden und über diese, hinaus dem Geiste und endlich zum Letzten, zum Einen. Dieses sollen wir ergreifen mit dem Teil unserer Seele, gemäß dem wir eins sind und von dem die Menge in uns geeint wird, dem „Einen der Seele." Denn nur durch Gleiches könne Gleiches erkannt werden. Diese ist die Höchste unserer Tätigkeiten, durch sie werden wir göttlich, indem wir alle Vielheit fliehen und uns unserer Einigung zuwenden und eins werden und einshaft handeln. Man kann diese Worte des Scholastikers des Neuplatonismus, bei dem die ursprüngliche Glut des plotinischen Denkens erloschen ist, die logischen Motive aber um so klarer werden, nicht ohne innere Erschütterung lesen. Sie offenbaren deutlich, daß die Spaltungen im Universum zugleich Spaltungen im Menschen sind (denn sonst hätte die Einführung des „Einen der Seele" gar keinen Sinn) und daß die Flucht vor der Vielheit, der Vielgestaltigkeit, der Zerteilung, ja der Gestalt überhaupt, nur eine Flucht vor der eigenen Zersplitterung ist. Und sie ist in der Tat nur die Kehrseite einer völligen Auflösung des Menschen und des Kosmos, die beide nur durch den Gleichschritt einer formellen Dialektik zusammengehalten werden. Auch für ihn ist der Mensch ein Mikrokosmos, der alles als Teil enthält, was im Kosmos göttlich und ganz ist Deshalb schiebt sich zwischen Seele und Leib noch ein ätherischer, noch ein Lichtleib, der dem Himmel entspricht, während der irdische Körper den vier Elementen verknüpft ist (Auf den Zusammenhang dieser Vorstellung mit der Astrologie gehe ich nicht ein). Dieser Lichtleib hat alle Wahrnehmungen vereinigt, während sie der Körper getrennt besitzt Und nicht genug mit dieser Spaltung: zwischen beide muß noch ein dritter Körper treten. Überflüssig seinen Weltaufriß und die ihm parallel gehenden Götterreihen auszuschreiben. Hier liegt eine vielfache Zerspaltung nicht nur der Eigenwelt, sondern auch des Menschen vor. Dieser Eindeutigkeit des Phänomens gegenüber wäre es 32t

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